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Maria Theresias Reformpolitik

Zum 300. Geburtstag Maria Theresias startet Mitte März 2017 eine um­fas­sen­de Jubiläumsausstellung zum Leben und Wirken einer der be­deu­tend­sten Herr­scherpersönlichkeiten der europäischen Geschichte. Die Maria-Theresia-Ausstellung findet von 15. März bis 29. November 2017 an vier Standorten in Wien und Niederösterreich statt [].
Maria Theresia von Österreich (1717 - 1780) vom Adelsgeschlecht der Habsburger zählte zu den prägenden Monarchen der Ära des auf­ge­klärten Absolutismus. Obwohl Maria Theresia niemals Kaiserin war – die Kai­serkrone war bei den Habsburgern den Männern vorbehalten – so wurde sie aber als Gattin von Franz I. Stephan, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, als Kaiserin bezeichnet, etwa so wie heute noch in Österreich die Ehefrauen von Ärzten als "Frau Doktor" angesprochen werden. Zumal Maria Theresia de facto die wahre Herrscherin war, die Person, die die Fäden zog und die Entscheidungen traf. Franz I. hatte seiner Gattin die Führung der Staatsgeschäfte überlassen. Formell war Maria Theresia nur Erzherzogin von Österreich und Königin von Un­garn und Böhmen.

Im Österreichischen Erbfolgekrieg war die veraltete Staats- und Armeeverwaltung sowie der wachsende wirtschaftliche Rück­stand des Habs­burgerreiches offensichtlich geworden. Es bestand ein dringender Bedarf an Reformen.
Maria Theresia nahm sich vor, ihren überschuldeten und veralteten Staat zu modernisieren. Ihre weitreichenden Reformen wurden unter dem Namen "Theresianische Staatsreform" bekannt. Der eigentliche Planer war anfangs der Verwaltungsbeamte Friedrich Wilhelm von Haugwitz, später spiel­te Staatskanzler Wenzel Anton Kaunitz eine immer stärkere Rolle. Getragen war die Reform vom Geist des aufgeklärten Absolutismus.
Die Kaiserin scheute sich nicht, bei ihren Reformen auch von Preußen zu ler­nen. Dies gilt etwa für eine von den Ständen losgelöste Verwaltung, für die Militärreform und für die Bildungspolitik.
Staatsorganisation
Ziel war der Aufbau einer modernen, leistungsfähigen Staatsbürokratie. Die unterschiedlichen Territorien der Monarchie wurden verwaltungstechnisch ver­einheitlicht und die Autonomie der einzelnen Kronländer zugunsten eines von Wien aus gelenkten zentralistischen Behördenapparates beschnitten. Es galt, das Monopol der Adeligen auf die lokale Verwaltung zu beschneiden. Sonderrechte und Privilegien wurden abgeschafft. Die eingeführte allgemeine Steuerpflicht erfasste erstmals auch Adel und Klerus. Als Basis der Be­steu­e­rung wurde ein allgemeiner Kataster eingeführt ("Theresianischer Ka­taster"). Ein weiteres Ziel war die Professionalisierung der Beamtenschaft. Es wurden verstärkt bürgerliche Akademiker einbezogen statt adelige Funk­tionsträgen, für welche die leitenden Posten bisher reserviert waren.
Heer
Maria Theresia verdoppelte die Stärke ihrer Armee und es wurde eine Hee­resreform durchgeführt. Dabei wurde aus der bislang kaiserlichen Armee ein österreichisches Heer. Die preußische Armee, Gegner im Österreichischen Erbfolgekrieg, wurde zum wichtigen Vorbild. Die bestimmende Figur der Re­form war Leopold Graf Daun, auf dessen Initiative die The­re­sia­ni­sche Militärakademie in Wiener Neustadt gegründet wurde. Nach mo­dernsten Grundsätzen sollte hier eine neue Generation von Offizieren aus­gebildet werden.
Justiz
Maria Theresia ließ die (uneinheitlichen) Rechte der österreichischen Erblande und der ungarischen Krone im 1769 veröffentlichten Codex Theresianus sammeln. Auf dieser Grundlage wurde eine Rechtsvereinheitlichung vor­ge­nom­men. Diese führte mit der Constitutio Criminalis Theresiana erstmals ein einheitliches Strafrecht für alle Habsburgerländer – aus­ge­nom­men Ungarn – ein. Staatliche Gerichte sollten Urteile fällen und nicht mehr der Grundherr. Die Todesstrafe musste vom Kreishauptmann bestätigt werden und gegen Urteil war Berufung möglich (Appellation). Folter als Mittel zur Wahr­heitsfindung wurde abgeschafft, sowie Hexerei und Zauberei als Delikte.
Bildung
Maria Theresia führte 1774 die Schulpflicht für alle Kinder – Jungen wie Mädchen – im Alter von sechs bis zwölf Jahren ein. So erreichte zumindest in den Kernländern der Monarchie die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben ei­nen extrem hohen Wert. „Dort waren später nur drei Prozent der Be­völ­ke­rung Analphabeten - ein sensationeller Wert“, so ein Historiker. Ganz so erfolgreich war das Projekt aber nicht. Die Durchführung war ein langfristiges Projekt, denn es fehlte an Infrastruktur und Lehrpersonal. Noch bis weit ins 19. Jahr­hun­dert herrschte in der Habs­bur­ger­monarchie ein hoher Anteil von Anal­pha­beten.
Auch das höhere Schulwesen wurde reformiert. Der Jesuitenorden, der auch die Universität Wien kontrolliert hatte, wurde auf­gehoben, womit die Hochschule nun in den staatlichen Verant­wort­ungs­bereich überging.
Wirtschaft
Das Manufakturwesen und damit die Massenproduktion wurden ge­för­dert. Die Produktionsstätten sollten auch auf dem Land angesiedelt werden. In Böhmen und Mähren – beispielsweise – entwickelte sich dadurch eine leis­tungsfähige Textilproduktion. Weil sie dem Wachstum der Wirtschaft ent­ge­gen­stan­den, wurden die Zunftordnungen ab­ge­schafft. Einzelne Län­der wurden zu Zollgebieten zusammengelegt, um einen einheitlichen Wirt­schafts­raum zu schaffen. Es wurden neue Kanäle und Straßen gebaut und das Postwesen verbessert. Die Leibeigenschaft wurde eingeschränkt.
Bevölkerung
Wichtigstes Ziel war die Vermehrung der Bevölkerung, denn man dachte, dass mehr Einwohner zu einem allgemeinen ökonomischen Aufschwung eines Lan­des führen würden. Die Zuwanderung in die während der Türkenkriege ent­völ­kerten Ge­bie­te Un­garns wurde gefördert. Die Gebiete sollten ge­gen­über dem Os­ma­ni­schen Reich gesichert werden und durch die An­sied­lung deutscher Sied­ler Unruhen in Ungarn verhindert werden. Dabei kam es auch zu Zwangs­um­sied­lun­gen: Protestanten aus den Erbländern, unzu­frie­de­ne Bauern, hei­mat­lo­se Unterschichten und sogar Kriegs­ge­fan­ge­ne aus Preußen wurden nach Süd­ost­europa gebracht. Im Bereich des Temescher Banats stieg dadurch zwischen 1711 und 1780 die Bevölkerungszahl von 25.000 auf 300.000 Ein­wohner an.
Religion
Was in der Ausstellung – wie auch bei den Bewunderern der "Kaiserin" – ge­rin­gere Erwähnung findet, sind die weniger positiven Aspekte ihrer Persön­lich­keit. Beispielsweise ihre restriktive Politik in Sachen Religion. Maria Theresia war vom Katholizismus geprägt. Sie vertrieb die Juden aus Prag und warf die Protestanten aus dem Land. Sie wehrte sich noch bis zu ihrem Lebensende strikt dagegen, den Nichtkatholiken gegenüber Toleranz zu üben, was zu einem schweren Konflikt mit ihrem Sohn Joseph führte. Vom Jan­senismus beeinflusst wurde sie auch immer frömmer. So schuf sie zur Be­kämp­fung der Unsittlichkeit eine Keuschheits­kom­mis­sion. Diese sollte Prostitution, außerehelichen Geschlechtsverkehr, an­stö­ßi­ges Verhalten und Homosexualität ahnden, bestraften und zensieren. Die bereits erwähnte Aufhebung des Jesuitenordens vollzog sie eher unwillig.
Reichspolitik
Bei der Reichspolitik war Kaiser Franz I. Stephan zuständig. Maria Theresia fragte sich aber, ob es überhaupt noch einen Sinn ergebe, am Heiligen Rö­mi­schen Reich Deutscher Nation festzuhalten. Letztlich setzte sich Franz Stephan durch. "Wie das Reich ohne des Erzhauses beystand nicht aufrecht erhalten werden kann, also auch des Erzhauses trennung vom reich dasselbe vielen und großen gefahren ausgesetzt werde."
Außenpolitik
Der Preußenkönig blieb Maria Theresias Feindbild. Vor diesem Hintergrund setzte man in Wien auf einen Umbau der Bündnissysteme. Am bedrohlichsten erschien ihr das Bündnis von Preußen mit Großbritannien. So suchte man eine Annäherung an Frankreich. Das spiegelte sich auch in der Heirat von Marie Antoinette mit dem französischen Thronerben wider. Österreich war auch mit Russland verbündet.

Weil sie 16 Kinder auf die Welt brachte, wurde sie bereits zu ihrer Zeit zu ei­ner sym­bol­trächtigen Mutterfigur hochstilisiert. Dass die Gestalt Maria There­sias im Nachhinein mythisch überformt wurde, kann man nicht bestreiten. Die Nach­welt hat ihr Wirken weitgehend positiv bewertet. Maria Theresias Be­liebt­heits­grad ist auch im heutigen Österreich noch sehr hoch. Diese Beliebtheit verdankt sich auch einer Geschichtsbetrachtung, die manch dunklere Seiten weniger in den Vordergrund stellt.
 
 

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