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Der Staatsvertrag

Dem allgemeinen Sprachgebrauch nach meint man mit Staatsvertrag den Österreichischen Staatsvertrag von 1955, der die Unabhängigkeit des Landes wiederherstellte.
Vorgeschichte
In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurde Öster­reich von der Ro­ten Armee sowie von französischen, amerikanischen und britischen Truppen befreit. Noch Anfang April 1945 wurde Karl Renner von Josef Stalin mit der Bildung einer provisorischen Staatsregierung betraut, und am 27. April 1945 wurde Österreichs Unabhängigkeit ausgerufen.
Doch war Österreich nicht nur befreit, sondern auch besetzt und geteilt wor­den. Bis 1955 gab es eine amerikanische, eine britische, eine französische und eine russische Besatzungszone.
Die Regierungen Renner und danach Figl und Raab setzten alles daran, den Abzug der Alliierten zu erreichen. Sie sahen sich als Vertreter eines neuen Österreichs. Das Neue war vor allem die Einigkeit, die durch die alliierte Besatzung erzwungen worden war. Die politische Unabhängigkeit erreichte Österreich aber erst mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags am 15. Mai 1955 und dem Abzug der alliierten Truppen.
Die Unterzeichnung
Der genaue Wortlaut des Vertragswerks hieß: Staatsvertrag betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich, ge­ge­ben zu Wien am 15. Mai 1955. Er wurde am besagten 15. Mai in Wien im Schloss Belvedere von Vertretern der Alliierten Besatz­ungs­mächten USA, UdSSR, Frankreich und Großbritannien und der österreichischen Regie­rung unterzeichnet.
Auf dem Balkon des Belvedere mit dem unterzeichneten Staatsvertrag
Nach der Unterzeichnung des Vertrages, der am 27. Juli 1955 in Kraft trat, verkündete Außenminister Leopold Figl: "Österreich ist frei!"
Richtungsweisend für den Staatsvertrag war die Moskauer Deklaration vom
1. November 1943. Darin bezeichneten die Außenminister Großbritanniens, der USA und der Sowjetunion Österreich als Opfer der Angriffspolitik Hitlers, erklärten die Besetzung (den Anschluss) für "null und nichtig" und nannten die Wiederherstellung eines freien Österreichs als eines ihrer Kriegsziele.
Wichtige Punkte des Vertrages
Österreich verpflichtet sich, keine wie immer geartete politische oder wirt­schaftliche Vereinigung (Anschlussverbot) mit Deutschland einzugehen.
Ein bis zum heutigen Tag nicht erfüllter Artikel des Vertrages ist jener be­treffend die Minderheitenrechte der Kroaten und Slowenen. Siehe Orts­ta­felstreit [ ].

Österreich verpflichtet sich im Vertrag, alle nationalsozialistischen Organi­sa­tio­nen aufzulösen und keine Wiederbetätigung von nazistischen und fa­schis­tischen Organisationen zuzulassen.

Ausdrücklich aufrecht erhalten wird das Habsburger-Gesetz von 1919. Nach diesem wurden u.a. alle Mitglieder des Hauses Habsburg-Lothringen, die nicht auf Herrschaftsansprüche verzichteten und sich als Bürger der Republik Österreich bekannten, des Landes verwiesen.
Österreich verpflichtete sich mit Unterzeichnung, der Sowjetunion die bis da­hin von ihr verwalteten deutschen Vermögenswerte abzulösen, innerhalb von sechs Jahren waren rund 150 Millionen Dollar zu zahlen.

Die Alliierten verpflichteten sich dazu, alle ihre Truppen von österreichischem Staats­gebiet abzuziehen.

Darüber hinaus kündigte Österreich an, nach Abschluss des Staatsvertrags aus freien Stücken die immerwährende Neutralität zu erklären (Neutrali­täts­ge­setz vom 26. Oktober 1955), die somit zwar nicht im Staatsvertrag, jedoch mit diesem in engem Zusammenhang steht.

Nach dem Zerfall der UdSSR fiel der ursprüngliche Grund der Neutralität weg, Österreich konnte sich aber nicht zu deren Abschaffung durchringen. Öster­reich trat niemals der NATO bei.

Durch die Schaffung und immer weitere Vertiefung der EU im Bereich der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik vergrößerten sich die Probleme mit der Neutralität. Deshalb wurde der Artikel 23f der Bundesverfassung geschaffen, der die Teilnahme Österreichs an humanitären Aufgaben und Rettungseinsätzen, friedenserhaltenden Aufgaben sowie Kampfeinsätzen bei der Krisenbewältigung, einschließlich friedensschaffender Maßnahmen ermöglicht.

 

1955

Weshalb dieses Datum für mich von Bedeutung ist? Weil ich im Sommer 1995 als Kind erstmals nach Wien zurückkam und dort meine Groß­el­tern besuchen durfte.
Zehn Jahre vorher hatte sich mein Vater, der als Nazi­verfolgter 1945 von der rus­si­schen Besatzung in­haf­tiert worden war und zur Mitarbeit "überredet" werden sollte, in einer abenteuer­lichen Flucht in die ameri­ka­nische Besatz­ungs­zone gerettet.
Bis zum Abzug der Russen aus Wien in Folge des Friedensvertrags von 1955 wagte es demnach mein Vater nicht mehr, in seine Wahlheimatstadt zurückzukehren.

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