Friesach |
| Im Renaissancebrunnen mit
seinen aufwändigen Reliefs aus der griechischen Mythologie
plätschert das Wasser ruhig vor sich hin. Ab und zu fährt
ein Auto einmal um den Platz. Ein kurzes Brummen. Dann ist wieder
nur das liebliche Plätschern zu hören. Plötzlich
naht Gefahr. Ein Bus mit der Aufschrift "Sonderfahrt"
hält direkt vor meiner Nase an und spuckt eine lärmende
Schar von etwa vierzig Personen - immerhin sind auch
ein paar niedliche Mädchen darunter - aus. |
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Der Hauptplatz mit dem Stadtbrunnen
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Unmut überkommt mich für einen Augenblick beim
Gedanken, dass sich die Gesellschaft hier in "meinem"
Restaurant breit machen könnte. Dann wäre meine
Ruhe dahin. Ich könnte diese wunderbare Kulisse,
den Mittelpunkt dieser hervorragend erhaltenen, mittelalterlichen
Stadt nicht mehr genießen. Aber nein, sie ziehen weiter.
Ich bleibe also weiterhin der einziger Kunde im Gasthof
Weißer Wolf. Nach der heutigen Fünf-Stunden-Wanderung
habe ich mir die Ruhe redlich verdient.
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Ruine der Rotturm-Anlage
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Heute Mittag, sagt die Chefin, eine vornehme, entzückende
ältere Dame, sei viel los gewesen: Tagesbesucher, Busse,
Motorradfahrer. Aber da war ich irgendwo zwischen Fichten,
Buchen und Schmetterlingen unterwegs, hoffnungslos
verlaufen in den Ausläufern der Nockberge.
Wäre ich nicht quasi per Zufall auf das Gasthof Bergblick
gestoßen und hätte mich dessen freundliche
Wirtin nicht topographisch aufgeklärt, so wäre ich
immer noch am Wandern, in einer schönen, weiten, grünen,
nur leicht hügeligen Landschaft.
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Landschaft bei Friesach
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| Die Kleinstadt Friesach
liegt im nördlichen Kärnten, rund 45 km entfernt von
Klagenfurt. Im Westen der Stadt erheben sich die Gurktaler
Alpen (auch Nockberge genannt). |
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Friesach ist die älteste Stadt Kärntens. Sie
wurde bereits im Jahr 830 erstmalig urkundlich erwähnt
und war über Jahrhunderte hinweg immer wieder bevorzugter
Wohnsitz der Salzburger Bischöfe. 2015 feiert die die
Stadt ihr achthundertste Jubiläum. Wie keine
andere Stadt Kärntens ist Friesach im Bewusstsein
der Menschen mit dem Mittelalter verbunden.
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Auf dem Hauptplatz
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Der dominierende Bau der
Altstadt von Friesach ist die imposante Stadtpfarrkirche
St. Bartholomäus [
], die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut
wurde und deshalb außer dem ursprünglich gotischen
Baustil noch verschiedene, dem Wandel der Zeit angepasste
Formen zeigt. Direkt vor dem Vorplatz der Kirche erhebt sich
der Petersberg, auf dem sich das sehenswerte Stadtmuseum, untergebracht
im historischen Wohnturm der Erzbischöfe und die Überreste
des Burghofes befinden. |
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Am westlichen Stadtrand, auf dem Virgilienberg stehen
die Überreste der Wehranlage Rotturm. Teil dieser
Anlage ist der wasserführende Stadtgraben mit einer zinnenbewehrten
Ringmauer aus dem 13. Jahrhundert. Auf dem Stadtgraben werden
auch Bootsfahrten veranstaltet. Unterhalb der Wehranlage
befindet sich eine historische Seminarkirche.
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Der Hauptplatz mit Blick auf die Burgruine
Rotturm
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Friesach ist eine Stadt, in der sich kunst- und kulturinteressierte
Menschen gerne treffen. Seit mehr als 50 Jahren finden auf
dem Petersberg die bekannten Friesacher Burgfestspiele
statt, bei denen klassische und moderne Schauspiele aufgeführt
werden.
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| Geschichte |
| Im Jahr 860 schenkte Ludwig
der Deutsche dem Salzburger Erzbischof Adalwin den Gutshof
"Hof-Friesah". Südöstlich dieses Hofes gründete
Graf Wilhelm zwischen 1016 und 1028 aufgrund eines durch König
Konrad II. verliehenen Privilegs einen Markt, der allerdings
rund 100 Jahre später, zwischen 1124 und 1130 wieder aufgegeben
wurde. |
| Durch seine günstige
Lage an einer der Haupthandelsrouten zwischen Wien und Venedig
stieg der Markt im Mittelalter schnell zu einem wichtigen Handelszentrum
auf. Der Ort war ein Hauptstapelplatz im Italienverkehr. So
wurde der Markt im Jahre 1215 zur Stadt erhoben. Seine
Blütezeit erlebte Friesach unter Erzbischof Eberhard
II. (1200-1246) während der sie sich sich zur zweitgrößten
Stadt des Erzstiftes Salzburg und zur wichtigsten Stadt Kärntens
entwickelte. Die Erzbischöfe prägten 1130 den Friesacher
Pfennig, der über zwei Jahrhunderte überregionales
Zahlungsmittel bis nach Ungarn blieb. |
| Die Stadt blieb bis 1803
im Besitz der Salzburger Erzbischöfe, verlor aber zusehends
an Bedeutung und konnte an die wirtschaftliche und kulturelle
Blütezeit während des Mittelalters nicht mehr anknüpfen. |
| Burg Petersberg |
| Weil der Erzbischof Gebhard
im Investiturstreit Partei für den Papst Gregor VII ergriffen
hatte. ließ er um 1076 auf dem Petersberg eine Burg errichten,
um dem Kaiser Heinrich IV. den Weg über die Alpen zu sperren.
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Burgruine Petersberg
und Peterskirche
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Während sich das Gebiet um die
Burg zeitweise im Besitz der Bischöfe von Gurk bzw. der
Herzöge von Kärnten befand, blieb die Burg selbst
vermutlich immer im Besitz von Salzburg. 1123-1124 wurde sie
erfolgreich gegen den Kärntner Herzog Engelbert II. von
Spanheim verteidigt. Als 1124 Friesach wieder in den Besitz
Salzburgs kam, ließ der Erzbischof Konrad von Abensberg
die Burg großzügig ausbauen. Um 1140 entstand so
der heute noch vorhandene Bergfried mit der Rupertkapelle.
Die Burg wurde eine Nebenresidenz der Erzbischöfe
von Salzburg und diente bei militärischen Auseinandersetzungen
als Zuflucht.
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1149 hielt sich König Konrad III.
nach seinem Rückzug vom 2. Kreuzzug auf der Burg auf.
Kaiser Friedrich I. Barbarossa ließ die Burg 1170 besetzen,
nachdem Erzbischof Adalbert III. von Böhmen Partei für
den Papst Alexander III. ergriffen hatte. 1192 kam König
Richard I. Löwenherz auf seiner Flucht nach England durch
Friesach.
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Burgruine auf dem Petersberg
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| Bei den Auseinandersetzungen
zwischen dem Kaiser Friedrich III. und dem Ungarischen König
Matthias Corvinus wurde die Burg von 1479 bis 1490 von ungarischen
Truppen besetzt. Ab 1495 ließ der Salzburger Erzbischof
Leonhard von Keutschach die Burg modernisieren und gab
ihr sowie der Stadtbefestigung ihr heutiges Aussehen. |
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Militärisch nicht mehr von Bedeutung, wurde die Anlage
1673 durch einen Brand weitestgehend zerstört. Sie wurde
in der Folge aufgegeben und verfiel.
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Beleuchtete Chorschiffruine auf dem Virgilienberg
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| In der ersten Hälfte
des 13. Jahrhunderts wurde die Probstei Virgilienberg
gegründet. Auf der Anhöhe im Süden der Stadt
entstand eine stattliche Kirche und ein Propsteigebäude.
1606 führte die schlechte wirtschaftliche Lage zur Aufhebung
und Vereinigung der Probstei mit St. Barthlmä. Nach dem
Brand von 1752 wurde nur mehr der aus der ersten Hälfte
des 14. Jahrhunderts stammende Chor der Kirche eingedeckt. Nach
einem weiteren Brand stürzte 1826 der Triumphbogen
ein. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Chorruine gesichert
und damit für die Nachwelt gerettet. |
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