Das Wien der ersten Nachkriegszeit kenne ich nur aus den Erzählungen meiner Eltern. Durch diese Erzählungen erschien mir das Ambiente dieses Filmes aber so bekannt, als hätte ich es persönlich miterlebt: die Besatzungszonen, das erzwungene Nebeneinander der Alliierten und der Russen, das zerstörte Wien. Wie aufschlussreich manche Bemerkungen meiner Mutter: "Wir versuchten dann halt, nachdem die dringendsten Hausgemeinschaftsarbeiten (tote Pferde abtransportieren, Straßen säubern, Bomben- und Beschußschäden beseitigen - wir haben Artillerietreffer in der Waschküche -) die Wohnung halbwegs auf Gleich zu bringen. Kein Strom, kein Gas, kein Wasser - komischerweise geht es doch irgendwie."
Ich weiß gar nicht mehr,
wann ich diesen Film zum ersten Mal gesehen habe, es muss viel
später gewesen sein, als sein erstes Erscheinen. Vielleicht
erst Ende der 50er Jahre
Drei Dinge haben ihn mir jedenfalls
zum unauslöschlichen Eindruck gemacht.
Zum einen war es seine Darstellung des Wiens der unmittelbaren
Nachkriegszeit, die mit den Schilderungen meiner Eltern so gut korrespondierte, dass
bei mir ein lebendiges und beeindruckendes Bild einer Heimatstadt entstand, die ich kaum kannte.
Im Wien der Nachkriegszeit (ein Foto meines Vaters Eduard Zillich)
Zum anderen war es die Zithermusik und das bewegende Motiv des Harry Lime Theme. Eine Musik, die mir bereits bei den
ersten Takten durch Mark und Bein geht.
Nicht zuletzt entdeckte ich den großartigen Schriftsteller Graham Green.
Der Film "Der dritte Mann", innerhalb
von fünf Wochen im Nachkriegs-Wien gedreht, wurde zu einem
Klassiker der Filmgeschichte und machte
den Regisseur Carol Reed schlagartig weltberühmt. Mehr als ein halbes Jahrhundert
nach seiner Entstehung hat der Film nichts von seiner Faszination
eingebüßt. Er zählt zu den Höhepunkten des Kinos im Nachkriegseuropa. Außerdem ist
er ein historisches Dokument der Geschichte Wiens,
eine Momentaufnahme der Stadt zur Zeit des
Kalten Krieges.
In merkwürdiger Umkehrung der Verhältnisse ist
der Film "Der dritte Mann" nicht etwa ein Film zum
Buch, denn "Der dritte Mann" ist beides: Buch und
Film. Der übliche Gegensatz zwischen literarischer Vorlage
und Verfilmung greift hier nicht. Sowohl das Drehbuch als
auch der Roman stammen von Graham Greene, der den Roman quasi
als eine Art Filmvorlage schrieb, die Reed verfilmte.
"Der dritte Mann" - Einleitung
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Wie Greene im Vorwort
zu seinem gleichnamigen Roman schreibt, wurde er "nicht
geschrieben, um gelesen zu werden, sondern um gesehen zu werden".
Als Alexander Korda bei Greene anfragte, ob er für Carol Reed
ein Drehbuch schreiben könne, hatte Greene
nur einen ersten Absatz anzubieten: "Vor einer Woche
hatte ich Abschied von Harry genommen, als sein Sarg in die
im Februarfrost erstarrte Erde hinabgelassen wurde. Ich traute
also meinen Augen nicht, als ich ihn in London im Menschengewühl
des 'Strand' ohne ein Zeichen des Wiedererkennens an mir vorübereilen
sah." Korda gefiel die Idee, wollte sie aber ins Wien der Nachkriegszeit versetzt haben.
Die ökonomische und die soziale Situation im besetzten
Wien werden im Film präzise dargestellt und meisterhaft
von Kameramann Robert Krasker in eindrucksvollen schwarzweiß-Bildern
eingefangen.
Exzellent ist auch das Schauspielerteam um Orson Welles, der
dem Film einen unverwechselbaren
Touch gibt. Unvergessen ist auch das musikalische Leitmotiv von
Anton Karas, die Zithermusik - das inzwischen weltbekannte
"Harry-Lime-Thema".
Handlung
Der amerikanische Schriftsteller Holly Martins beabsichtigt, im geteilten
Nachkriegs-Wien des Jahres 1948 seinen Freund Harry Lime besuchen.
Zunächst glaubt Martins, dieser sei tot, er soll bei
einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sein, erfährt
er. Etwas stutzig beginnt er mit eigenen Recherchen. Bald fällt ihm auf, dass fast alle an jenem Unfall Beteiligten
Bekannte von Harry Lime waren. Ein Zeuge des Unfalls, der arglos von einem der Polizei nicht bekannten, an dem Unfall beteiligten "dritten
Mann" berichtet, wird kurz darauf ermordet.
Melodie aus "Der dritte Mann"
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Bei seinen Nachforschungen
lernt Martins auch Limes Lebensgefährtin Anna kennen,
die sich als Schauspielerin durchschlägt, und verliebt
sich in sie, obwohl sie weiterhin Harry zu lieben glaubt. Anna lebt mit gefälschten Papieren
in Wien. Sie kommt in Wirklichkeit aus Ungarn und die sowjetische Besatzungsmacht ist hinter
ihr her.
Als Martins nachts von einem Unbekannten
verfolgt wird, stellt er fest, dass sein Verfolger niemand anderer
ist als der tot geglaubte Freund Harry Lime. Der britische Major
Calloway weiht daraufhin Martins in die Verbrechen ein, deren
Harry Lime beschuldigt wird: Handel mit gestohlenem Penicillin,
das gestreckt - und damit unbrauchbar - wird und auch zu Hirnhautentzündung bei
Kindern führen kann. Ein Besuch in einer Kinderklinik
mit solchen Fällen überzeugt letztlich Martins.
So stellt sich Martins der Polizei zur Verfügung, um Harry Lime aus der russischen Besatzungszone
in den Westen zu locken. Es folgt eine Verabredung in einem Kaffeehaus
und eine spannende Verfolgungsjagd im weitverzweigten (alle vier Sektoren Wiens verbindende) Kanalsystem ...
Erscheinungsjahr
1949
Originaltitel
"The third man"
Stab
Regie: Carol Reed, Drehuch: Graham Greene, Kamera: Robert Krasker, Musik: Anton Karas, Produzent: David O. Selznick,
Alexander Korda
Darsteller
Joseph Cotten als Holly Martins, Alida Valli als Anna Schmidt, Orson Welles als Harry Lime, Trevor Howard als Major Calloway, Paul Hörbiger als Hausmeister, Ernst Deutsch als Baron Kurtz, Erich Ponto als Dr. Winkel, Siegfried Breuer als Popescu.
Auf den Spuren eines Filmklassikers
Es gibt
Führungen auf den Spuren des Films durch die kopfsteingepflasterten,
gewundenen Gässchen der Wiener Altstadt. Es werden dabei
die wichtigsten Drehorte, wie beispielsweise der
Wienflusstunnel, besucht und viel über die
spannende, grenzüberschreitende Entstehungsgeschichte
des Films erzählt, aber auch über das "andere
Wien" der Kriegsruinen, der alliierten Besatzungsmächte,
des Schwarzmarkts und der Ost-West Spionage [].
Graham Greene
Graham Greene,
geb. am 2. Okt. 1904 in Berkhamsted (England), gest. am 3. April
1991 in Vevey (Schweiz) war ein britischer Schriftsteller.
Der Ex-Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes gilt als
der Autor von Weltruf mit den meisten Nominierungen überhaupt
für den Literaturnobelpreis, den er aber nie erhielt.
Orson Welles
George Orson Welles, geb.
am 6. Mai 1915 in Kenosha, Wisconsin, gest. am 10. Oktober 1985
in Los Angeles, war ein US-amerikanischer Regisseur,
Schauspieler und Autor.
Er gilt er als einer der künstlerisch einflussreichsten
Regisseure des Hollywood-Kinos. Sein erster Film, Citizen
Kane, wird vielfach als der bedeutendste Film der Filmgeschichte
bezeichnet.
Der Dritte Mann
von Graham Greene
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Der dritte Mann
(2 DVDs)
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Der Dritte Mann
Fünfzig Jahre Kinopremiere
von Anton Karas
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Ein Reiseführer
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sonderbaren Orten,
geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten
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Wien - früher und heute
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Die Sowietische Besatzung
in Österreich 1945-1955 (Auf das Bild klicken,
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Wien 1945-1955 (Auf das Bild klicken,
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