Geschichte | Brauchtum | Persönlichkeiten | Kunst/Architektur | Wissenswertes | HOME
  Landschaften | Wandern | Essen & Trinken | Literatur/Medien | Nützliches | Musik
 

Thomas Bernhard



Thomas Bernhard (1931 - 1989) war ein österreichischer Schriftsteller und Dramatiker und öffentlicher Provokateur. Er zählt zu den bedeutendsten deut­schsprachigen Autoren der Nachkriegszeit

Thomas Bernhard kam 1931 in Heerlen (Niederlande) als uneheliches Kind von Herta Bernhard (1904 - 1950) und des Tischlers Alois Zuckerstätter (1905 - 1940) auf die Welt. Einen Großteil seiner Kindheit verbrachte er mit seinen Großeltern mütterlicherseits in Wien und Seekirchen bei Salzburg. Diese Zeit beschrieb er im Rückblick als die glücklichste seines Lebens. Als Bern­hards Mutter 1936 heiratete, zog die Familie nach Traunstein (Bayern).

1941 kam Bernhard nach Konflikten mit der Mutter in ein national­so­zia­lis­ti­sches Erziehungsheim in Thüringen, wo er traumatische Erfahrungen machte. Ab 1943 wurde er ins NS-Internat "Johanneum“ in Salzburg geschickt. Hier ermöglichte ihm sein Großvater, der Schriftsteller Johannes Freumbichler, erstmals Violinunterricht. Infolge der schweren Bombenangriffen auf Salzburg holte der Großvater den Jungen einige Zeit zu sich nach Traunstein. 1945 kehrte er wieder ins "Johanneum" zurück, das nun unter katholischer Leitung stand. 1946 siedelte die ganze Familie von Traunstein nach Salzburg über. 1946 brach Bernhard die Schule ab, eine Institution, die er später als "Geis­tes­vernichtungsanstalt“ bezeichnete. 1947 begann er eine Lehre zum Ein­zel­handelskaufmann.

Neben seinem Großvater, der ihm die Liebe zur Philosophie mitgab, gab es in Bernhards Leben nur noch einen "existenzentscheidenden" Menschen: Hed­wig Stavianicek, eine Witwe, die 37 Jahre älter als Bernhard war und mit der ihn bis zu ihrem Tod 1984 eine innige Beziehung und Freundschaft ver­band. Die "Tante" war für ihn fast Mutterersatz. Sie führte ihn in die Wiener Gesellschaft ein und unternahm mit ihm erste Reisen. Ihren Tod verarbeitete er in dem Band Alte Meister als den Tod der Frau des Protagonisten und betonte auch sonst, wie viel er von ihr gelernt habe.

Monologe auf Mallorca
Auf den Pfeil in der Mitte klicken. Zum Vergrößern auf klicken
Weil Bernhard an einer hartnäckigen Lungentuberkulose litt, musste er in den Jahren zwischen 1949 bis 1951 öfters im Sanatorium Grafenhof in St. Veit im Pongau behandelt werden. Im Feber 1949 starb sein Großvater nach einer ärztlichen Fehldiagnose, der Tod der Mutter folgte das Jahr darauf. Zwischen 1955 und 1957 nahm Bernhard Musik- und Schauspielunterricht am Mozart­eum in Salz­burg. Er war immer zutiefst an Musik interessiert, seine Lungen­er­kran­kung machte ihm aber eine Karriere als Sänger unmöglich.
1950 veröffentlichte Bernhard unter dem Pseudonym Thomas Fabian mehrere Kurzgeschichten, mit denen eine lange schriftstellerische Karriere begann. Der Tod und die Relativierung aller anderen Werte angesichts seiner unheilbaren Erkrankung wurden in seinen Werken zu einem der wichtigsten Motive. Tho­mas Bernhard starb 1989 in Gmunden, Oberösterreich. Sein Tod wurde erst nach der Beerdigung der Öffentlichkeit bekannt gegeben.

Während Bernhard in Österreich wegen seinen kritischen Ansichten oft als Nestbeschmutzer kritisiert wurde, erntete er im Ausland viel Zustimmung.
Seine Werke haben in der Regel den Charakter von Monologen eines Ich-Er­zähl­ers mit einem fiktiven stummen oder fast stummen Zuhörer oder Schü­ler, in denen ein Einzelgänger seine An­sich­ten über den Zustand der Welt erklärt. Dies gilt sowohl für seine Theater­stücke als auch für seine Werke in Prosa.
Seine Protagonisten sind nicht selten Wissenschaftler oder, wie Bernhard sie nennt, Geistesmenschen, die in langen Schimpftiraden voller Hohn gegen das "stumpfsinnige Volk“ Stellung nehmen und mit ihrem scharfen Verstand vieles von dem, was dem Österreicher heilig ist, kategorisch und mit einer Abso­lut­heit, die keinen Widerspruch akzeptiert, angreifen: beispielsweise den Staat, den Bernhard gerne als "katholisch-nationalsozialistisch" versteht, aber auch anerkannte österreichische Institutionen wie das Wiener Burgtheater und be­liebte Künstler.
Seine Werke, die nicht selten starke anti-katholische Rhetorik beinhalten, be­schäftigen sich auch ständig mit der Vereinsamung und der Selbstzerstö­rung von Menschen, die nach einer unerreichbaren Voll­kom­men­heit streben, da diese Perfektion letztendlich nur Stillstand und damit den Tod zur Folge haben kann.
Lesung aus "Frost"
Auf den Pfeil in der Mitte klicken. Zum Vergrößern auf klicken
"Es ist alles Lächerlich, wenn man an den Tod denkt" war sein Kommentar bei der Verleihung eines Förderpreises im Jahr 1968. Mit seiner Dankesrede löste er damals einen der vielen Skandale aus, die zu seiner Berühmtheit geführt hatten. Er hatte unter anderem behauptet, dass die Österreicher "Geschöpfe der Agonie" seien und "Der Staat ein Gebilde, das fortwährend zum Schei­tern verurteilt sei und das Volk zur Infamie und zu Geistesschwäche".
Sein Roman Holzfällen (1984) konnte jahrelang wegen einer Verleumdungs­kla­ge nicht ver­öf­fent­licht werden, weil sich ein früherer Freund Bernhards, der österreichische Komponist Gerhard Lampersberg, in einer Figur zu erkennen glaubte. Das Urteil des darauf folgenden Prozesses führte zur Beschlagnahme aller gedruckten Exemplare. Überrasch­en­der­weise zog Lampersberg dann ei­nige Zeit später die Klage zurück.

Auch das Drama Heldenplatz (1988) löste einen Skandal aus, weil es an­geb­lich das Ansehen Österreichs beschmutzte. Die scharfe öffentliche Kontrover­se entstand, weil vier Wochen vor der Uraufführung Auszüge aus dem Stück unautorisiert in der Neuen Kronen Zeitung und der Wochenpresse abge­druckt worden waren. Aus den aus dem Kontext gerissenen Passagen konnte man nicht ersehen, dass es sich nicht um die persönliche Meinung Thomas Bern­hards handelte, sondern um Dialoge der Protagonisten. Deshalb wurde vom Wiener Bürgermeister Helmut Zilk, dem ehemaligen Bundeskanzler Bru­no Kreisky und dem Vizekanzler Alois Mock die Absetzung des Stücks ver­langt. Bundeskanzler Franz Vranitzky hingegen und wenige andere Persön­lich­kei­ten traten für eine Aufführung ein. Auch die IG österreichischer Autoren erklärte sich mit Bernhard solidarisch.


Selbst nach seinem Tod am 12. Feber 1989 verursachte Bernhard noch große Verstimmung. Er insze­nierte eine - in seinen Worten - "posthume literarische Emigration. Er ließ per Testament festlegen, dass alle Veröffentli­chun­gen und Inszenierungen seiner Werke in Österreich verboten sein sollten. "Ich ver­wah­re mich gegen jede Annäherung dieses österreichischen Staates meine Person und meine Arbeit betreffend in aller Zukunft."

Neben all der bitteren Kritik an den bestehenden Verhältnissen findet man in seinem Werk auch viele ergreifende und ehrliche Momente. In seinen auto­bio­graphischen Werken Der Keller, Der Atem, Die Kälte, Ein Kind und Die Ursache beschreibt Bernhard unter anderem viele Demütigungen, die er in der Kind­heit erleben musste, die für ihn überlebensnotwendige Bindung an den Groß­va­ter und die schrecklichen Erfahrungen, die er als Lungenkranker im "Ster­be­zimmer" eines Krankenhauses machen musste, weil die Ärzte bereits mit seinem Ableben rechneten.

Starb Thomas Bernhard tatsächlich? Im neuen, sehr unter­halt­sa­men Roman "Die Murau Identität" des Journalisten Alexander Schim­mel­buch ist dies nicht der Fall. Wie so vieles im Leben des großen Pro­vo­ka­teurs war auch sein angeblicher Tod eine Inszenierung. In Wahrheit quartierte er sich im Hotel Plaza in New York ein und begann unter der neuen Identität des Franz-Josef Murau ein neues Leben. "Die Murau Identität" ist ein unter­halt­sa­mer Enthüllungsroman, der von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszei­tung als "einer der komischsten, unbarmherzigsten und intelli­gen­tes­ten Ro­ma­ne des Frühjahrs" beschrieben wird.
 
 
Die Murau Identität
Die Murau Identität
(Auf das Bild klicken,
um das Buch zu bestellen)

Thomas Bernhard
Thomas Bernhard für Boshafte
(Auf das Bild klicken,
um das Buch zu bestellen)

Holzfällen
Holzfällen
von Thomas Bernhard

(Auf das Bild klicken,
um das Buch zu bestellen)

Holzfällen
Holzfällen (7 CDs)
von Thomas Bernhard

(Auf das Bild klicken, um das
Audio-Buch zu bestellen)

Goethe stirbt
Goethe schtirbt
von Thomas Bernhard

(Auf das Bild klicken,
um das Buch zu bestellen)

Ein Kind
Ein Kind
von Thomas Bernhard

(Auf das Bild klicken,
um das Buch zu bestellen)

Holzfällen
Alte Meister: Komödien
von Thomas Bernhard

(Auf das Bild klicken,
um das Buch zu bestellen)

Holzfällen
Alles ist lächerlich: Acht philosophische Mauerhaken
von Thomas Bernhard

(Auf das Bild klicken,
um das Buch zu bestellen)

Holzfällen
Wittgesteins Neffe
von Thomas Bernhard

(Auf das Bild klicken,
um das Buch zu bestellen)