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Paschen im Salzkammergut



Es ist über zwanzig Jahre her, da fuhr ich nach Ebensee am Traunsee (Ober­österreich), mit dem Ziel, den berühmten Fetzenfasching [] zu erleben. Als ich mich ins örtliche Gasthaus begab, erwartete mich ei­ne angenehme Überraschung. Während ein junger Bursche auf seiner "Stei­ri­schen Har­mo­ni­ka" [] einen Landler spielte, begleiteten ihn seine Tisch­ge­nos­sen mit einem rhythmisches Handeklatschen. Das ziemlich komplexe Rhyth­mus­gebilde, das so genannte "Paschen", erin­nerte mich entfernt an das Händeklatschen beim Flamenco. Ich war sofort hingerissen.
Unter "Paschen" versteht man das rhythmische, gemeinsame In-die-Hände- Klatschen mehrerer Personen zur Begleitung von Volksmusik (Landler, Steirer und andere). Die Handflächen werden dabei steif gehalten und kurz und hart aufeinander geschlagen, so dass ein lauter aber heller Klang entsteht. Die Rhythmusstrukturen, die durch das unterschiedliche Klatschen mehrerer Per­sonen entstehen, sind ziemlich kompliziert. Bis zu sechs verschiedene Rhyth­men können gleichzeitig "gepascht" werden. Häufig wird eine Kombination aus Flachhandklatschen und Hohlhandklatschen gezielt eingesetzt, um interessante Effekte zu erzeugen.
Nicht schlecht fürs erste Mal
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Im österreichischen Salzkammergut ist das Paschen am weitesten ver­brei­tet und wurde dort zu großer Virtuosität gebracht. Zwischen dem stei­ri­schen, dem oberösterreischischen und dem salzburgischen Teil des Salzkam­mer­guts gibt es große Unterschiede in der Rhythmik und im Aufbau, auch die Leitmusik unterscheidet sich. Im Salzkammergut wird immer im direkten An­schluss an ein gesungenes Gstanzl gepascht, bzw. zu Steirer- und Land­ler­melodien.
Mann soll das "Paschen" auf keinen Fall mit dem gleichmäßigen, langweiligen Klatschen verwechseln, wozu sich die Zuschauer/-höhrer bei mancher Volks­mu­sik­ver­an­staltung magnetisch hinzugezogen fühlen, und nicht selten dabei den Rhythmus verfehlen. Wird "gepascht" und man möchte mitmachen, sollte man sich sicher sein, die Kunst des Paschen auch wirklich zu beherrschen, andernfalls wird man nur böse Blicke ernten. Denn un­kon­trolliertes Klatschen ist beim "Paschen" absolut verpönt.
Paschen beim Veit in Gössl
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Im Salzkammergut hat sich das "Paschen" zu großer Kunstfertigkeit ent­wick­elt. Bei manchen Tänzen treten die die Tänzer in die Mitte und singen ein "Gstanzl", danach "paschen" sie. "Gepascht" wird aber nicht nur beim Tanzen, sondern immer wenn gesungen wird und eine Steirer- oder Landler­melodie gespielt wird. Beim Tanz "paschen" ausschließlich die Burschen, bei anderen Geselligkeiten oder im Gasthaus "pa­schen" auch die Mädchen, was in früheren Zeiten nicht üblich war..
Grundlseer Musikanten & Straßner Pascher
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Im Salzkammergut wird immer im Anschluss an ein gesungenes Gstanzl "ge­pascht", üblicherweise durch acht Takte, meist drei mal hintereinander.
Ruft der Vortänzer "Hüah", so wird weitere acht Takte, also doppelt so lange "gepascht". Ruft der Vortänzer dagegen "Hohl", so wird zuerst acht Takte lang mit gewölbten Handflächen "gepascht" (was einen dumpferen Klang erzeugt). Dann folgen wieder acht Takte mit flachen Händen (was einen hellen Klang ergibt), möglichst laut. Dann wird der Tanz wieder fortgesetzt.
Familie Laimer - Schleuniger Pascha
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Im Folgenden einen Auszug aus der Dissertation von Edith Krautgartner
"Da die erste Transkription des "Paschens" 1891 von Josef Pommer in Fuschl am Fuschlsee erstellt wurde und nach Aussagen der Gewährsleute um Aus­seer­land bereits in den 1880-er Jahren gesechstert wurde, ist anzunehmen, dass zumindest ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in der heute üblichen poly­rhytmischen Form gepascht wurde.
Im Ausseerland wurde und wird auch heute noch Wert auf einpolyphones, eines sich aus mehreren Stimmen vertikal zusammensetzendes Klangbild gelegt.
Neben den Vorpaschern, die das Grundmetrum schlagen, und dem Zuahi­paschern, der im Ausseerland zwar variieren kann, aber meistens seinen typischen Schlag ausführt, sollen an einem Pasch noch ein bis drei Sechs­terer (Dritterer oder Achterer) beteiligt sein. So liegt der Reiz dieser Paschart in der nuancierten Betonung der einzelnen Achteln (beim Steirer) bzw. Sechzehntel (beim Landler), die durch die Ausführung mit verteilten Rollen entstehen.
Im oberösterreichischen Teil des Salzkammergutes und am Abersee wurde bis zum 2. Weltkrieg ein heterophones Klangstehende "Melodie", angestrebt.
Hierbei schlagen die Vorpascher das Grundmetrum, während der Doppler (Zuahipascher), der zwischen die Schläge der Vorpascher pascht durch Setzen der Pausen ein "Melodie" gestaltet, die er in jedem
Paschgsetzl variiert.
Seit dem 2. Weltkrieg werden im oberösterreichischen und salzburgischen Teil des Salzkammergutes zum Vorpaschen und Doppeln auch Dritterer- oder Sechsterer-Schläge angebracht, die nach Aussagen der Gewährsleute vom Ausseerland übernommen wurden.
Anschließend kann gesagt werden, dass die Beliebtheit und die Häufigkeit des Paschens im Zunehmen ist, was sich darin zeigt, dass heute gerne auch zu Tänzen wie Polka, Marsch, Walzer und Schottisch, zu denen beim Tanz nicht gepascht wird, im Wirtshaus, in der Schützenstube oder bei privaten Zusammenkünften gepascht wird."
Für detailliertere Informationen über wie man bei den verschiedenen Tänzen (Steyrischer, Landler, Polka) zu "paschen" (klatschen) hat, sei folgende Web­seite zu empfehlen [].
 

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