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Der liebe Augustin



O, du lieber Augustin,
Augustin, Augustin,
O, du lieber Augustin,
Alles ist hin!
Welcher Wiener (oder Österreicher) hat diese Strophen nicht schon einmal ge­sun­gen? Oder zumindest von seinen Eltern gehört? Wie der Text weiter geht (er kommt in leicht unterschiedlichen Varianten vor), das wissen die meis­ten wohl kaum. Geschweige denn, wer dieser „Augustin“ überhaupt war, falls er nicht gar eine reine Fantasiefigur ist.
Geld ist hin, Mädl ist hin,
Alles ist hin, Augustin!
O, du lieber Augustin,
Alles ist hin!
Rock ist weg, Stock ist weg,
Augustin liegt im Dreck.
O, du lieber Augustin,
Alles ist hin!
Und selbst das reiche Wien,
Hin ist's wie Augustin;
Weint mit mir im gleichen Sinn,
Alles ist hin!
Jeder Tag war ein Fest,
Jetzt haben wir die Pest!
Nur ein großes Leichenfest,
Das ist der Rest.
Augustin, Augustin,
Leg nur ins Grab dich hin!
O, du lieber Augustin,
Alles ist hin!  
Den „Lieben Augustin(Marx Augustin, bzw. Markus Augustin) gab es tat­säch­lich. Geboren (1643) und gestorben (1685) ist er in Wien. Er war ein Dudel­sack­pfei­fer und – in der vollen Bedeutung des Wortes – ein Volkssänger, der immer fröhlich und guter Dinge war und deshalb von den Wienern sehr geliebt wurde. Er wurde nur „der liebe Augustin“ genannt. Er spielte nicht an einem Orte allein, sondern trieb seine Späße jeden Tag in einem anderen Wirtshaus, vor­wie­gend im "Roten Hahn", einen Lo­kal, das es heute noch gibt, oder im "Gel­ben Ad­ler", im Gasthaus "Zum roten Dachl" oder anderswo.
Doch im verhängnis­vol­len Jahr 1679 war es den Wie­nern nicht mehr zum Spaßen zumute. Die Pest hatte Unheil und Tod über die Stadt gebracht. Von Ungarn her war die Seu­che in die Stadt ge­kom­men. Die ersten Pestfälle waren schon im De­zem­ber 1678 in der damaligen Vorstadt "Leopoldstadt" auf­ge­tre­ten. Die Seuche brei­te­te sich dann au­ßer­halb der kai­serlichen Re­sidenzstadt schnell aus. Es wa­ren vor allem de ärmeren Bevölkerungsschichten, die als erste er­krankten. Von Monat zu Monat stieg die Zahl der Todesfälle. Wer konnte, floh aus der Stadt. Nicht wenige Menschen wurden mitten in den Straßen vom Tod ereilt. Ununterbrochen fuhren die mit Toten beladenen Leichenwagen durch die Stra­ßen der Stadt. Die Leichen wurden schließlich eingesammelt und in die Pest­gruben, die man vor der Stadt ausgehoben hatte, geworfen.
Einens Abends – so die Legende – war Augustin derart betrunken, dass er den Weg nach Hause nicht mehr fand und schließlich irgendwo in der Gos­se sei­nen Rausch ausschlafen musste. Die Pest­knechte, die die Toten von den Straßen ein­sam­mel­ten, um sie in Pestgruben zu werfen, hielten ihn für tot und brach­ten seine vermeintliche Leiche zusammen mit den anderen – echten – Leichen auf dem Sammelkarren vor die Stadtmauer. Dort warfen sie ihre ganze La­dung in ein offenes Massengrab, wo Augustin die ganze Nacht durchschlief. Diese Pest­gru­be soll sich in der Nähe der Kirche St. Ulrich im 7. Bezirk be­funden haben, in der Nähe des Platzes, wo heute der Augustinbrunnen steht.
Die Melodie zum Text
Als er am nächsten Morgen aufwachte, gelang es ihm nicht, aus der Grube zu klettern. Er schriee und spielte so lan­ge auf dem Dudelsack, bis die Pest­knechte ihn endlich hörten und aus der Grube zogen. Obwohl er die ganze Nacht mit den Pesttoten verbracht hatte, erkrankte er nicht. Er spielte noch viele Jahre in den Gasthäusern und besang immer wieder sein Erlebnis mit der Pest. Das gab den Menschen wieder Hoffnung und nahm ihnen ein wenig die Angst weg.
Augustin ist bis heute ein Inbegriff dafür, dass man im Leben durch Humor auch das Schlimmste über­ste­hen kann. Er wur­de auf dem Wiener Nikolai-Friedhof bestattet. Nachdem dieser aufgelassen wurde, wurden seine sterblichen Überreste vermutlich auf den Sankt Marxer Friedhof überführt. Johann Nepomuk Hummel (1778-1837) komponierte aus dem Lied ein Werk mit acht Variationen.
Auf dem Strohplatzl in Wien wurde am 1908 zu Ehren von Augustin ein Denk­mal aufgestellt. Der Augustin-Brunnen steht an der Ecke Neustiftgasse-Kel­ler­manngasse. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Statue Au­gu­stins gestohlen. Kurz darauf wurde an ihre Stelle ein Schild mit der fol­gen­den Auf­schrift angebracht:
Der Schwarzen Pest bin ich entronnen,
die braune hat mich mitgenommen.
Eine Gedenkplatte, die den lieben Augustin darstellt, wurde am Eingang des Griechenbeisls am Wiener Fleischmarkt angebracht, wo Augustin einst re­gel­mäßig auftrat.
 

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