Persönlichkeiten

Romy Schneider, mehr als nur Sisi



Romy Schneider (* 23. Sept. 1938 in Wien; † 29. Mai 1982 in Paris), war die Tochter der deutschen Schauspielerin Magda Schnei­der und des erfolgreichen öster­rei­chi­schen Schau­spie­lers Wolf Albach-Retty. Bereits Ro­mys Ururgroßvater Adolf Retty war Schauspieler in Österreich, ihre Ur­groß­el­tern waren der Regisseur und Schauspieler Rudolf Retty und die Sän­ge­rin Maria Ka­tharina „Käthe“ Retty. Deren Tochter – Schneiders Großmutter – war die k. u. k. Hof­schau­spie­lerin Rosa Albach-Retty.
Magda Schneider be­ein­flusste ihre Tochter sehr stark, als sie ihre Film­karriere im Alter von 15 Jahren begann. An der Seite ihrer Mutter spielte sie in Hei­mat­fil­men wie „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ (1953) und „Die Deutsch­meis­ter“ (1955). Ihren ersten großen Erfolg hatte sie 1954 mit dem Film „Mäd­chen­jah­re einer großen Königin“, in dem sie die Königin Victoria spielte. In dieser Zeit nahm Romy endgültig den Künstlernamen Romy Schneider an – von der Mutter und nicht jenen des Vaters, der Albach-Retty hieß. In den Jahren 1955 bis 1957 gelang ihr in der Rolle der Kaiserin Elisabeth mit der Sissi-Trilogie der in­ter­na­tionale Durchbruch.
Die Filme, die in den Jahren zwischen 1955 und 1957 produziert wurden, brach­ten Romy eine immense Popularität. Bis heute werden die drei Filme oft im Fern­sehen wiederholt und zeigen ihren dauerhaften Erfolg. Für die breite Öf­fent­lich­keit, die die Interpretationen des zweiten Teils der Karriere der Schau­spie­lerin nicht zur Kenntnis nimmt, bleibt Romy Schneider für immer nur „Sissi".
Romy Schneider & Karlheinz Böhm
Doch schon gegen Ende der 1950er Jahre zeigte die Schauspielerin eine gewisse Abneigung ge­gen­über ihren bisherigen Filmrollen. Romy weigerte sich, einen vierten Film über Sissi zu drehen. Später gestand sie Karlheinz Böhm, dem Schauspieler, der die Rolle des Kaisers Franz Josef spielte, und mit dem sie im­mer freund­schaft­lich verbunden blieb, dass sie sich zutiefst für die damaligen Filme schämte.
Der eigentliche Wendepunkt in der Karriere von Romy Schneider kam mit dem Film „Christine“ (1958), einem Remake der ersten Verfilmung des Stücks „Lie­belei“ von Arthur Schnitzler. Während der Dreharbeiten lernte sie Alain De­lon kennen, mit dem sie eine lange Beziehung haben würde, und zog nach Paris. Danach spielte sie an der Seite von Anthony Perkins in Orson Welles’ Film „Der Prozess“ (1962) die Rolle der Leni. Romy selbst bezeichnete die Kafka-Verfilmung als einen ihrer wichtigsten Filme.
In Otto PremingersDer Kardinal“ (1963) spiel­te sie die Ba­ro­nes­se An­ne­marie von Hartmann. Danach spielte sie vorwiegend in französischen und italienischen Filmproduktionen, wie „Der Swimmingpool“ (1968) von Jacques Deray, in dem sie wieder mit Alain Delon spielte, „Liebelei“ (1970) von Alberto Bevilacqua und inLudwig II.“ (1973) von Luchino Visconti, in dem sie eine reifere und innigere Elisabeth von Österreich-Ungarn darstellte, ganz anders als die sorglose Sissi aus ihrer Debüt-Zeit.
In der Zwischenzeit, nach dem Bruch mit Alain Delon im Jahr 1964, wurde das Liebesleben der Schauspielerin durch das Scheitern von zwei Ehen betrübt, Er­eig­nisse, die zu Depressionen und Alkoholismus führten, trotz der Geburt von zwei Kindern, David (1966) aus der ersten Ehe mit dem Regisseur Harry Meyen, und Sarah (1977), geboren aus der zweiten Ehe mit Daniel Biasini, einem französisch-italienischen Jour­na­listen.
Romy Schneider: Eine Nahaufnahme, Teil 1/2
Romys emotionales Gleichgewicht wurde auch durch den Freitod ihres ersten Ehemanns Harry Meyen weiter erschüttert. Gruselig und be­rüh­rend zugleich enthält der Film „Die zwei Ge­sich­ter einer Frau“ (Originaltitel: „Fantasma d’amo­re“) von Dino Risi aus dem Jahr 1981 prämonitorische Zeichen des tragischen Epilogs, das das Leben der Schauspielerin finden würde.
Romy Schneider: Eine Nahaufnahme, Teil 2/2
Die Dreharbeiten zu dem Film verzögerten sich um einige Tage, weil Romy auf­grund ihres Al­ko­holkonsums und Medikamen­ten­miss­brauchs zusam­men­ge­bro­chen war. In einem Interview mit dem Stern vom 23. April 1981 sah Schneider sich am Ende ihrer Kräfte: „Ich muss Pause machen, ich muss endlich zu mir selbst finden.“ Auch die Ehe mit Biasini war gescheitert, sodass Romy im Mai 1981 die Scheidung einreichte. Im selben Monat unterzog sich die Schau­spie­le­rin einer schweren Operation: Wegen eines gutartigen Tumors musste ihr die rechte Niere entfernt werden.
Ihr größter Schicksalsschlag ereilte sie aber im Sommer 1981. Am 5. Juli starb ihr vier­zehn­jäh­ri­ger Sohn bei dem Versuch, über einen Zaun zu steigen. Er hatte beim Klettern das Gleich­gewicht verloren und war im Fallen von einer Me­tall­spitze des Zauns aufgespießt worden.
La chanson d'Hélène: Romy Schneider & Michel Piccoli
Romy wurde am 29. Mai 1982 im Pariser Haus des Produzenten Laurent Petin, mit dem sie seit etwa einem Jahr verbunden war, tot aufgefunden. Sie war erst 43 Jahre alt. Anfangs dachte man, sie hätte Selbstmord verübt, aber nach der Au­to­psie wurde ein tödlicher Herzstillstand als To­des­ursache festgestellt.
Romy Schneider wurde auf dem Friedhof von Boissy-sans-Avoir beigesetzt. Auf Veranlassung von Alain Delon, der ihre Beerdigung organisiert hatte, wurde ihr Sohn vom Friedhof in Saint-Ger­main-en-Laye in das Grab seiner Mutter um­ge­bettet.
 
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Georg Markus
Das heitere Le­xikon der Österreicher