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Der Krampus

Der Krampus ist im alpenländischen Brauchtum eine Schreckgestalt der Ad­ventszeit, die den Heiligen Nikolaus begleitet. Während der Nikolaus die bra­ven Kinder beschenkt, werden die unartigen vom Krampus, dem bösartigen Widerpart des Nikolaus, bestraft. Bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts war die­ser As­pekt des Krampus als Schreckgestalt mit geschwärztem Gesicht, der den unartigen Kindern Prügel androhte, viel stärker betont.
Vielerorts wird heute noch den kleineren Kindern mit Sprüchen wie "wenn du nicht brav bist kommt der Krampus und nicht der Nikolaus zu dir" damit ge­droht, damit sie sich wieder brav verhalten. So ist das teilweise in Bayern und Tirol heute noch üblich. Die Figur des Krampus (wenn auch anders genannt) ist auch in Ungarn, Tschechien, Teilen Norditaliens und Teilen Kroatiens be­kannt. Der Krampus hat heute vielfach die Form der früheren Perchten­ge­stalten an­genommen.
Krampus-Treiben in Südtirol
Foto von David Kostner (GNU-Lizenz für freie Dokumentation)

Der Name leitet sich vom altdeutschen Krampen = "Kralle" oder vom bai­ri­schen "Krampn" = etwas Lebloses, Vertrocknetes oder Verblühtes ab.
Im bayerischen Alpenvorland und im österreichischen Salzkammergut ist der Krampus eher unter der Bezeichnung "Kramperl“ geläufig. Im Salzkammergut kommt auch die vom Namen "Nikolaus" abgeleitete Be­zeich­nung "Niklo" vor. Der Kram­pus­brauch war ursprünglich in ganz Österreich verbreitet und wurde dann zur Zeit der In­qui­sition verboten, da es bei To­des­strafe niemandem erlaubt war, sich als teuflische Gestalt zu verkleiden. Jedoch wurde dieser Winterbrauch in man­chen schwer zugänglichen Ort­schaften weitergeführt. Die Vorläufer der heutigen Kram­pusse waren, unter den Na­men "Teufel", die Begleiter des Nikolausspieles. Ausgehend von den Kloster­schu­len (Kin­derbischofsfest) hatte sich seit Mitte des 17. Jahrhunderts der Ein­kehr­brauch entwickelt: Von Schreckgestalten begleitet prüft und beschenkt der Hei­li­ge Nikolaus die Kinder, wäh­rend die Unartigen vom "Teu­fel" bestraft werde. Auch solche Volksbräuche wurden häufig von kirchlicher und weltlicher Obrigkeit ver­bo­ten, denn man hielt sie für unzeitgemäß und sah in ihnen Anlass für Streitigkeiten und Un­moral. Früher waren nämlich die Kram­pusse auch ein Element der sozialen Kontrolle. Sie rügten die Sitten der Be­völ­kerung, bestraften geizige Bäue­rin­nen und zu strenge Dienstherren. Oft stellten sie auch der Obrigkeit "die Rute ins Fenster". Im Zeitalter der Auf­klä­rung sah man in diesen Bräuchen einen Ausdruck der Rückständigkeit und eine Untergrabung von Sitte und Ordnung. Doch die Bräuche fanden weiter im Geheimen statt und wandelten sich stetig und verschwanden schließlich ganz. Um 1900 entdeckten und veränderten folkloristische, soziale und wirt­schaftliche Bestrebungen die Bräuche wieder.


In Österreich wird heutzutage der hl. Nikolaus, der am 6. Dezember die Kin­der be­schenkt, von Krampussen begleitet. Diese zotteligen Wesen sehen in ihren Fellkostümen und kunstvoll geschnitzten Holzmasken ganz furcht­er­re­gend aus. Große Glocken, die die Krampusse an Ketten um die Hüften ge­bun­den haben, kündigen die finsteren Gestalten schon von weitem an. Unter den Krampus-Masken verstecken sich meist Jugendliche, die großen Spaß daran haben, Passanten zu erschrecken und Gleichaltrigen mit ihren Ruten hinterher zu jagen. Dabei machen sie von ihren langen Ruten auch regen Ge­brauch. Wobei mancherorts seitens der Kinder eine Mutprobe erfolgt, in dem sie ver­suchen, die Krampusse zu reizen, ohne erwischt oder geschlagen zu werden.
Moderne Zeiten: Rund um die Krampusläufe werden Angstbewälti­gungs­semi­na­re für die Bevölkerung angeboten, die Krampusse selbst müssen sich mancherorts einem Verhaltenskodex unterwerfen, der Alkoholkonsum und das Schlagen von Passanten verbietet.
Krampus in Bad Hofgastein
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Der Krampus-Tag ist traditionell der 5. Dezember, während das Fest des Hei­ligen Nikolaus der 6. Dezember ist; üblicherweise erscheinen aber beide Ges­talten gemeinsam am Abend des 5. Dezembers teils auch am 6. Dezember.

Bekannte und eindrucksvolle Krampusumzüge finden in Osttirol statt (dort nennt man den Krampus "Klaubauf"), im angrenzenden Kärnten und in Salz­burg. Einer der größten Umzüge mit über eintausend Krampussen (2008) war der Krampuslauf in St. Johann im Pongau. In Italien beschränkt sich der Kram­pus-Brauch hauptsächlich auf Südtirol.

Krampusse trifft man nicht nur Anfang Dezember nach Einbruch der Dun­kelheit auf den Dorfstraßen, sondern auch bei großen Kram­pus­läu­fen, wo mehrere hundert Krampusse durch die Fuß­gän­ger­zo­nen der Altstadt jagen, ein Beweis mehr, dass sich der echte Brauch in eine reine Folklore-Show verwandelt hat.

Krampus in Gastein 2011
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In diesem Brauch ist nicht nur der in der christlichen Kultur verankerte Ge­gen­satz zwischen dem guten (beloh­nenden) Nikolaus und dem bösen (bestra­fen­den) Krampus zu sehen, also der "schwarzen" Pädagogik, es wurzeln hier vielmehr auch Reste eines heidnischen Perchtentreibens. Das Treiben der maskierten Perchten und Krampusse gehört auch zum großen Kontext des Sich-Maskierens, das mit bestimmten Freiheiten und Lizenzen verbunden ist. Solche vorübergehende Umkehrungen vom Normalen zum Über-die-Stränge-Schlagen, finden sich in vielen Kulturen. Darüber hinaus stecken in dieser Figur auch magische Fruchtbarkeits- und Winteraustreibe-Riten der vor­christ­lichen Kulturen.
Wie sehr die Figur des Krampus in tiefem Aberglaube verwurzelt ist, lässt folgende Legende erahnen: "Irgendwo in einem Ort in Österreich lebte ein unglückliches Ehepaar, das ein Kind hatte, welches niemals gehorchen wollte und ihnen deshalb sehr viel Verdruss machte. Selbst die Drohungen der Mut­ter, das Kind würde vom Krampus geholt, wenn es nicht folgsam sein wollte, konn­ten daran nichts ändern. Am Abend des Heiligen Nikolaus kam ein furcht­bar hässlicher Krampus ins Haus, der die Eltern fragte: 'Darf ich dieses bö­se Kind mitnehmen?" Die Eltern, die keinen Krampus bestellt hatten, meinten, es handle sich um einen Nachbarn, der sich einen Spaß machen wollte, und ant­worteten: 'Ja!' Der Krampus fragte noch einmal, ob er das Kind mitnehmen dürfe, und wieder erlaubten es die Eltern. Daraufhin fragte der Krampus ein drittes Mal: 'Darf ich es wirklich mitnehmen?' Als die Eltern es zum dritten Mal erlaubten, nahm der Krampus das Kind mit sich und ging zur Tür hinaus. Als die Eltern einen herzzerreißenden Schrei von draußen hörten, liefen sie sofort hinaus, um nachzusehen, wohin der Krampus mit dem Kinde gegangen sei. Aber vom Kind war nichts zu sehen. Auf dem frisch gefallenen Schnee wa­ren auch keinerlei Spuren zu erkennen. Das Kind blieb für immer ver­schwunden."

Leider degeneriert der Brauch immer mehr zum reinen Schau­lau­fen. Anfang Dezember 2012 fand in Gnigl der 39. Gnigler Krampuslauf statt. 39 Passen mit rund 800 Aktiven nahmen daran teil. 10.000 Zuschauer – das Auto macht's möglich! – konnten das Groß­ereignis miterleben!

 

Kindheitsängste

Ich muss etwa fünf Jahre alt ge­we­sen sein. Wir lebten damals in St. Lorenz, einem kleinen Ort unweit vom Mondsee, im Salz­kam­mergut. Wir Kinder warteten bereits gespannt auf den Nikolaus, und eine subtile Erregung lag in der Luft. Draußen war es eisig und bereits dunkel, als unheimliche Geräusche in die Küche drangen, ein Rasseln von Ketten und undefinierbarer Lärm, was mir nach so vielen Jahren unauslöschlich im Gedächtnis geblieben ist.

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