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Die Julikrise



Obwohl die Hintergründe des Attentats von Sarajevo [] bis heute nicht voll­ständig geklärt werden konnten, ging man in Österreich-Ungarn davon aus, dass auch Teile der Serbischen Regierung und deren Ministerpräsident ihre Finger im Spiel hatten. Diese Einschätzung führte zur Zuspitzung der Konflikt­lage zwischen den fünf europäischen Großmächten sowie Serbien, die zur so­ge­nannten Julikrise führte, wie die letzten Tage vor dem Ersten Weltkrieg heute bezeichnet werden. Bis heute werden die Motive und Handlungsweisen aller beteiligten Mächte, Politiker und Diplomaten auch unter Historikern kon­trovers diskutiert. Die jeweilige Antwort auf die Kriegsschuldfrage hängt da­von ab, auf welcher Weise die Ereignisse während der Julikrise interpretiert werden.
„Map Europe alliances 1914-de“ von derivative work: Danbornekde (talk)Map_Europe_alliances_1914-fr.svg: historicair - Map_Europe_alliances_1914-fr.svg. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5-2.0-1.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Map_Europe_alliances_1914-de.svg#mediaviewer/Datei:Map_Europe_alliances_1914-de.svg
Landkarte 1914 (Lizenz)
Das von Russland unterstützte Serbien hatte vor dem ersten Weltkrieg eine gegen Österreich gerichtete großserbische Politik betrieben, die sich zur Auf­gabe gestellt hatte, die slawischen Teile der Donaumonarchie in Serbien ein­zugliedern. Deshalb lag nach der Ermordung des österreichisch- unga­ri­schen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin am 28. Juni 2014 in Sara­jevo der Schluss nahe, dass die serbische Regierung mitgewirkt hatte.
Franz Conrad von Hötzendorf, Chef des Generalstabes der k.u.k. Ar­mee, der zuvor mehrmals vergeblich Präventivkriege der Monarchie gegen Ita­lien und Serbien befürwortet hatte, sah das Attentat in Sarajevo als Gele­gen­heit, um mit Serbien mittels eines Krieges – unter Rückendeckung des Deut­schen Reichs – ein und für allemal abzurechnen.
Am 6. Juli sagte der Deutsche Kaiser Wilhelm II. Österreich-Un­garn seine volle Unterstützung zu. Eine Grundüberzeugung der deutschen Politik war damals, dass die militärische Schwäche, in der sich Russland und auch Frankreich noch befanden, es Deutschland erlauben wür­de, einen Krieg, der aus dem Eingreifen Russlands zugunsten Serbiens entstehen würde, als kalkulierbares Risiko zu sehen. Durch diese Zusage sah sich die Doppelmo­nar­chie gestärkt genug, einen Militärschlag gegen Serbien zu unternehmen. Am 23. Juli wur­de daher von Österreich-Ungarn ein auf 48 Stunden be­fris­tete Ultimatum an Ser­bien ge­stellt mit der Aufforderung, alle serbisch-nationalistischen Akti­vitäten sofort zu be­enden und die Verantwortlichen des Attentats konsequent zu verfolgen.
Am 24. Juli, nur ein Tag später, sicherte der russische Außenminister den Ser­ben zu, dass Russland auf keinen Fall aggressive Handlungen Österreich-Ungarns ge­gen Serbien zulassen werde.
Serbien antwortete am 25. Juli rechtzeitig auf das Ultimatum und ak­zep­tierte dabei die meisten Punkte, wenn auch nicht bedingungslos. Zugleich mobilisierte das Land aber seine Armee. Österreich-Ungarn reagierte am 26. Juli mit einer Teilmobilmachung und brach die diplomatischen Beziehungen zu Serbien ab. Der russische Ministerrat, der Kronrat und der Zar hatten bereits am 24. und 25. Juli für den Fall einer österreichischen Kriegserklärung an Serbien eine Mobilmachung beschlossen. Deutschland drohte Russland mit Mobilmachung, sollte dieses vor­bereitende militärische Maßnahmen ergreifen.
Am 27. Juli deutete Kaiser Wilhelm II. die serbische Antwort so, dass jeder Grund zum Krieg entfallen sei. Er schlug vor, dass Österreich-Ungarn lediglich Belgrad besetzen sollte, um die Durchsetzung seiner Forderungen zu erzwin­gen. Einen ganz ähnlichen Vorschlag machte auch der britische Außenminister Grey. Beide wurden von Österreich-Ungarn nicht angenommen.
Von Sarajevo zum Ersten Weltkrieg 1914
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Am 28. Juli, genau ein Monat nach dem Attentat von Sarajevo, erfolgte die Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien. Bereits ein Tag später begann Österreich-Ungarn mit dem Beschuss Belgrads. Auf die Kriegs­er­klä­rung reagierte Russland am 29. Juli mit der Mobilmachung seiner Streitkräfte gegen Österreich-Ungarn.
30. Juli. Russlands Zar Nikolaus II. ordnete die Generalmo­bil­ma­chung an. Großbritannien lehnte gegenüber Berlin eine Neutralitätszusage ab. Nachdem Zar Nikolaus seine Truppen mobilisiert hatte, wurde Kaiser Wil­helm II. ner­vös. Er bat den Zaren per Telegramm, Europa nicht "in den ent­setz­lich­sten Krieg zu verwickeln, den es je gesehen hat". Der schwan­ken­de Zar sagte die Mobi­li­sie­rung zunächst wieder ab, wurde aber von seinem Kriegsminister Wladimir Alexandrowitsch Suchomlinow ignoriert. Dieser war überzeugt, dass die rus­si­sche Armee für einen gleich­zeitigen Krieg gegen Deutschland und Österreich-Ungarn ausreichend vor­bereitet sei.
31. Juli: Wilhelm II. verkündete den Zustand "drohender Kriegsgefahr". Das Deutsche Reich stellte Russland ein Ultimatum, die Kriegsvorbereitungen zu stoppen und Frankreich ein Ultimatum, sich neutral zu erklären. Österreich-Ungarn rief die Generalmobilmachung aus. 
Die fünf Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs
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Nachdem eine russische Antwort ausgeblieben war, erklärte Deutschland, von den Militärs zu einer schnellen Entscheidung gedrängt, Russland noch am selben Abend den Krieg. Weil Frankreich die ultimative deutsche Neu­tra­li­täts­for­de­rung aus­wei­chend beantwortet hatte, folgte am 3. August auch die deutsche Kriegs­er­klä­rung an Frankreich.
Auf die deutsche Entscheidung, zur Eroberung Frankreichs zuerst das neutrale Belgien zu besetzen, drohte Großbritannien mit Krieg. Reichskanzler Beth­mann-Hollweg bat zwar den britischen Botschafter Edward Goschen, nicht wegen eines "Fetzens Papier“ – gemeint war die internationale Garantie für die belgische Neutralität aus dem Jahr 1839 – den Frieden zu brechen. Großbritannien jedoch erklärte Deutschland am 4. August den Krieg.
Mit der englischen Kriegserklärung vom 4. August standen alle hoch­ge­rüs­te-
ten Großmächte Europas im Krieg.
 
 
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