Geschichte | Brauchtum | Persönlichkeiten | Kunst/Architektur | Wissenswertes | HOME
  Landschaften | Wandern | Essen & Trinken | Literatur/Medien | Nützliches | Musik
 
Die erste Türkenbelagerung Wiens (1529)


1354 eroberten die Osmanen mit Gallipoli ihren ersten Stützpunkt auf eu­ro­päi­schen Boden. 1361 gelang ihnen die Einnahme Adrianopels, der zweit­größ­ten byzantinischen Stadt. Nach der Schlacht an der Mariza (1371) folgte der Übergriff auf Makedonien (1371) und Bulgarien (1385). 1389 gelang dem Sul­tan Murad I. in der Schlacht auf dem Amselfeld ein Sieg über die verbündeten christlichen Fürsten aus Serbien und Bosnien. Historische Bedeutung erlangte am 25. September 1396 Nikopolis durch die gleichnamige Schlacht, als ein christliches Kreuzfahrerheer von den Osmanen unter Bayezid "Yildirim" ver­nichten geschlagen wurde.
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts dehnte sich das Osmanische Reich auf gro­ße Teile von Südosteuropa aus. Ein Großteil von Griechenland, Make­do­nien, Bulgarien, Serbien und die Herzegowina war bereits erobert, als die Os­manen in die Krain und in Slowenien eindrangen. 1425 tauchten die Türken zum ersten Mal im habsburgischen Grenzland auf. Von da an wurden die Os­manen als existenzbedrohend empfunden.
Unter dem seit 1520 herrschenden Sul­tan Süleyman I. dem Präch­ti­gen wurde 1521 die damals zu Ungarn ge­hörende Stadt Belgrad erobert, 1526 folgte die entscheidende Schlacht von Mohács, bei der der ungarische König Ludwig II. fiel. Die Truppen des Sultans konnten wenig später große Teile Un­garns und Kroatiens erobern.
Nach dem Tod Ludwigs II. von Ungarn wurde aufgrund eines mit den Habs­bur­gern geschlossenen Erbvertrages Erz­herzog Ferdinand von Österreich zum neuen Regenten von Böhmen und Un­garn gewählt. Daraufhin erhob ein Teil des ungarischen Adels den Fürsten von Siebenbürgen, Johann Zápolya, zum Ge­gen­könig. Zápolya stellte sich unter den Schutz des Osmanischen Reiches. Süleyman I. sah darin eine Gelegenheit, um einen Feldzug gegen die öster­rei­chi­schen Erblande der Habsburger zu beginnen, zumal die militärischen Kräfte des Habsburger Kaisers Karl V. zu dieser Zeit großteils in Italien gebunden waren.
Süleyman I. mobilisierte eine große Streitmacht, die sich am 10. April 1529 von Istanbul aus in Richtung Wien auf den Weg machte. Unterwegs schwoll das osmanische Heer durch den Anschluss vieler Garnisonen auf weit über 100.000 Mann an. Auch ungarische Kämpfer schlossen sich dem Heer an. Etwa 22.000 Kamele als Lasttiere wurden eingesetzt. Schon Wo­chen, bevor die Hauptstreitmacht eintraf, verwüstete eine Truppe von etwa 20.000 Rei­tern die Vororte Wiens. Um die Wiener von allen Nachschublinien abzu­schnei­den, verbrannten die Türken die hölzernen Donaubrücken.
Die Belagerung Wiens durch die Türken (1529)
Wegen des kaum vorhandenen un­ga­rischen Straßennetzes und der anhal­ten­den Regenfälle trafen die ersten osmani­schen Einheiten aber erst im Herbst in der Umgebung Wiens ein. Außerdem hatte der durch den starken Regen ver­ursachte schlechte Zustand der Straßen die Osmanen auch daran gehindert, ihre schwersten Geschütze mit­zu­führen.
Am 23. September kamen die Osmanen in die Sichtweite der Stadt, am 25. Sep­tember traf der Großwesir Ibra­him Pascha mit dem Gros der Streitmacht vor Wien ein. Der Sultan selbst bezog einen Tag später seine prächtige Zelt­burg auf dem Gebiet des heutigen Neu­gebäudes in Kaiserebersdorf. Bis zum 27. Sep­tember war Wien be­reits komplett ein­ge­schlos­sen. Von da an bis zum 14. Ok­to­ber 1529 dauerte die Be­la­ge­rung die Residenzstadt Wien durch das osmanische Heer an. Dieses umfasste über eine Viertel Million Menschen, die aber mehrheitlich dem Tross an­ge­hör­ten. Der wehrhafte Teil des Heeres be­stand aus etwa 80.000 osma­ni­schen und 6.000 ungarischen Kämpfern. Dazu kamen zahlreiche Reiter (Si­pahis) und die Elitetruppe der Janitscharen. Für die Versorgung mit Lebens­mitteln und Mu­ni­tion hatten die Osmanen eine 600 Schiffe umfassende Flotte auf der Donau stationiert.
20.000 Menschen waren in Wien eingeschlossen. Der Stadtverteidigung stand unter dem Kommando des Feld­herrn Graf Niklas Salm. Insgesamt konn­ten die Verteidiger der Stadt nur etwa 22.000 Fußsoldaten und 2000 gepanzerte Reiter auf­bieten. Allerdings waren besonders die 17.000 Söld­ner (Lands­knechte), die Karl V. in letzter Minute geschickt hatte, mit Piken und Ar­kebusen sehr gut bewaffnet und waren mit fortschrittlichen Kriegs­tak­ti­ken bestens ver­traut. Nur 72 Ka­nonen standen den Vertei­di­gern der Stadt zur Verfügung. Wien hatte zur Verteidigung lediglich eine aus dem 13. Jahr­hun­dert stam­mende 4,5 km lange Ring­mauer, die sich in einem er­neu­e­rungs­be­dürf­tigen Zustand be­fand. Erzherzog Ferdi­nand I. (der spätere Kaiser) hielt sich wäh­rend der Bela­ge­rung in Inns­bruck auf.
Graf Salm ließ die Stadtmauern verstärken und sämtliche Gebäude außerhalb der Stadtmauer abreißen, um ein freies Schussfeld zu bekommen und den An­greifern Möglichkeiten zur Deckung zu nehmen. Er ordnete auch die Eva­ku­ie­rung mehrerer Tausend Frauen und Kinder an, die aber auf ihrer Flucht den osmanischen Truppen zum Opfer fielen und versklavt oder zu Tode gefoltert wurden.
Bereits am 27. September sandte Süleyman I. eine Delegation in die Stadt, die von den Wienern die Kapitulation forderte und ihnen für diesen Fall die Ver­schonung von Bevölkerung und Garnison garantierte. Graf Salm ging aber auf diese Forderung nicht ein. Der Kampf um Wien begann.
Da die schweren Kanonen fehlten, war die osmanische Artillerie nicht in der Lage, die Stadt­mau­ern sturmreif zu schießen. Auch mit dem Erklettern der Mauern mittels Leitern hatten die Belagerer keinen Erfolg. So wurde von den Osmanen ab dem 1. Oktober die Taktik geändert. Sie versuchten, über unter­ir­di­sche Stollen die Wiener Stadtmauern mit Sprengladungen zu unter­mi­nie­ren. Nachdem ein christlicher Überläufer den Ver­teidigern Wiens die Pläne der Belagerer mitgeteilt hatte, lauschte die Wiener Bevölkerung immer ängstlich auf die Geräusche aus unter­ir­di­schen Minen­stol­len, um die Sprengstellen zu orten.
Graf Salm ordnete daraufhin einen Ausfall der Landsknechte, um die osma­ni­schen Mineure in den Gräben und Stollen zu bekämpfen. Es ent­brannten hef­tige Kämpfe, bei denen wegen der Explosionsgefahr der Schieß­pul­ver­fäs­ser keine Feuerwaffen verwendet werden konnten. Diese Aus­einandersetzungen konnten die besser gepanzerten Landsknechte zwar für sich entscheiden, aber sie konnten dennoch nicht alle osmanischen Minen ent­de­cken. So konnten von den Osmanen doch zahlreiche Breschen in die Wiener Stadtmauern gesprengt werden, in denen es zu heftigen Kämpfen kam. Auch diese konnten die Ver­teidiger aber für sich entscheiden.
Die großen Schlachten: die Türkenbelagerung Wiens (1529)
Auf den Pfeil in der Mitte klicken. Zum Vergrößern auf klicken
Am 12. Oktober sprengten die Osmanen eine besonders große Bresche in die Stadtmauer. Es folgte der bis zu diesem Zeitpunkt größte osmanische Angriff, der aber auch von den Verteidigern zurückgeschlagen wurde. Die osma­ni­schen Truppen verloren allein 1200 Janitscharen.
Das Wetter sollte den Anstoß für das Ende der Belagerung geben. Wegen der völlig aufgeweichten Straßen war der Nachschub der Osmanen gefährdet, was zu einer katastrophalen Versorgungslage führte. Außerdem stand der Winter­ein­bruch bevor. Der Sultan wusste, dass eine längere Belagerung dadurch ausgeschlossen war. Er wurde auch mit dem Unmut der Janitscharen kon­fron­tiert, weshalb er sie nur mit dem Versprechen einer großen Belohnung zu einem letzten Sturmangriff überreden konnte.
Am 14. Oktober sprengten die Osmanen eine 83 m breite Bresche ins Kärnt­nertor, doch auch hier konnten die Verteidiger einen dichte Mauer aus Piken bilden, gegen den die Janitscharen machtlos waren. Unter schweren Verlusten beendeten sie den Sturmangriff entgegen der Befehle ihrer Vorgesetzten und kehrten ins osmanische Feldlager zurück.
In der Nacht auf den 15. Oktober begann der Abzug des osmanischen Heeres. Die Truppen ließen alles zurück, was sie nicht tragen konnte, Kriegs­ge­fan­gene wurden, sofern sie nicht in den Wirren des Rückzugs geflohen waren, bei le­ben­digem Leibe verbrannt. Am Morgen des 15. Oktober begann es, heftig zu schneien. Das Abendland konnte aufatmen - bis zum Jahr 1683! Graf Salm wurde noch im gleichen Jahr mit der Grafschaft Neuburg belehnt.
Das osmanische Heer hatte fast 20.000 Tote zu beklagen. Die Verluste der Be­lagerten waren deutlich geringer, wesentlich schlimmer war es aber den Bewohner des Wiener Umlands ergangen, das völlig verwüstet und weit­ge­hend entvölkert worden war.
 
Die Osmanen
Das Osmanisches Reich / Osmanli Imparatorlugu (auch Ottomanisches oder Türkisches Reich) ist das letzte islamisches Großreich der Geschich­te. Seine Lebensdauer zieht sich von ca 1299 bis 1923 und umfasst somit 600 Jahre Geschichte. Es war meh­rere Jahrhunderte lang die ent­schei­dende Macht in Kleinasien, im Nahen Osten, auf dem Balkan, in Nordafrika und auf der Krim. Im Laufe des 18. und vor allem 19. Jahrhunderts wur­de es in der Auseinandersetzung mit den europäischen Mächten auf Klein­asien zurückgedrängt und fand in der Türkei seinen Nachfolgestaat.

Der Heilige Krieg, Teil 3 - Die Türken vor Wien
Der Heilige Krieg, Teil 3
Die Türken vor Wien

(Auf das Bild klicken, um
die DVD zu bestellen ...)

Die großen Schlachten 1 - 1529: Die Türken vor Wien
Die großen Schlachten
1529: Die Türken vor Wien

(Auf das Bild klicken, um
die DVD zu bestellen ...)

Türkenbbelagerung
Türkenbelagerung
(Auf das Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)

Die Osmanen
Die Osmanen - Geschichte
einer Großmacht

(Auf das Bild klicken, um
die DVD zu bestellen ...)

Die Türkenkriege
Das Kreuz und der Halbmond.
Die Geschichte der Türkenkriege

(Auf das Bild klicken, um
die DVD zu bestellen ...)

Österreich: Ein historisches Portrait
Österreich:
Ein historisches Portrait

(Auf das Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)

Alt-Wiener Sagen und Legenden
Alt-Wiener Sagen
und Legenden

(Auf das Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)

Wien - Geheimnisse einer Stadt: Rätselhafte Zeichen . Verschlüsselte Botschaften
Wien - Geheimnisse einer Stadt
(Auf das Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)

Die unbekannte Mitte der Welt: Globalgeschichte aus islamischer Sicht
Die unbekannte Mitte der
Welt: Globalgeschichte aus islamischer Sicht

(Auf das Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)