Wissenswertes

Der Wiener Opernball



Der Wiener Opernball ist eines der bekanntesten und glamourösesten gesellschaftlichen Ereignisse in Wien.
Jedes Jahr markiert der Wiener Opernball neben dem Philharmonikerball den Höhepunkt der Ballsaison im Wiener Fasching. Dieses glanzvolle Ereignis findet traditionell am letzten Donnerstag vor dem Aschermittwoch in der prachtvollen Wiener Staatsoper statt, einem der berühmtesten Opernhäuser der Welt.
Die Wiener Staatsoper
Der Opernball zieht als größter Treffpunkt Österreichs für Kulturschaffende, Unternehmer und Politiker Gäste aus aller Welt an, darunter Prominente, Politiker, Diplomaten, Unternehmer und Künstler. Der Opernball begrüßt rund 5150 Gäste. Zusammen mit den Mitwirkenden und Mitarbeitern der Staatsoper bevölkern an diesem Abend etwa 7000 Personen das historische Gebäude. Der Ball wird von 180 Paaren aus dem In- und Ausland eröffnet, was das Event zu einem spektakulären Start in die Nacht macht.

Die Anwesenheit der Ballgäste sowie die durch den Ball generierte Wer­be­wir­kung für den österreichischen Tourismus haben sich zu einem be­deu­ten­den Wirtschaftsfaktor in Wien entwickelt.


Geschichte
Der Wiener Opernball blickt auf eine lange Tradition zurück, die bis zur Zeit des Wiener Kongresses von 1814 bis 1815 reicht. Der heutige Standort des Opernballs wurde erstmals am 11. Dezember 1877 als Hofopern-Soirée genutzt, als der Kaiser seine Zustimmung zu einer »Soirée« im Opernhaus gab. Obohl bei diesem Fest in der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember offiziell nicht getanzt werden durfte, lud Eduard Strauß mit der Opern-Soirée-Polka zum ersten Mal die Gäste zum Tanzen auf. Am Tag darauf berichtete das Wiener Fremdenblatt: „... nach Mitternacht gab es den ersten regelrechten Tanz im Festsaal unseres Opernhauses.
Nach dem Untergang des Kaiserreiches 1918 erinnerte sich die junge Republik bald an die imperialen Feste in der Oper. Bereits am 21. Jänner 1921 konnte die erste Opernredoute der Republik Österreich abgehalten werden – und im Jänner 1935 fand der erste, nun auch so benannte Wiener Opernball statt.
Nach dem Wiedererstehen der Republik Österreich 1945 wurde im Jahr 1955 die festliche Wiedereröffnung des Opernhauses gefeiert. Am 9. Februar 1956 konnte sich das Haus wieder in den strahlenden Opernballsaal ver­wan­deln.


Der Ablauf
Der Opernball beginnt mit dem Einzug des Bundespräsidenten in seine Loge unter den Klängen der von Karl Rosner komponierten „Opernball-Fanfare“. Unmittelbar nach der Bundeshymne und „Freude, schöner Götterfunken“ zieht der erste Teil des Komitees zu den Klängen einer Polonaise in den Ballsaal ein. Traditionell wird die von Carl Michael Ziehrer komponierte „Fächer­po­lo­naise“ gespielt.
Nach den obligatorischen Einlagen wie Gesangs- und Tanzvorführungen folgt im zweiten Teil der Einzug der Tanzpaare. 2010 gab es erstmals eine Neue­rung beim Einzug des Jungdamen- und Herrenkomitees: Es zogen bereits zu Beginn, nach den Hymnen, alle 176 Tanzpaare zu Frédéric Chopins „Polonaise in A-Dur, Op. 40“ ein, um nach den künstlerischen Darbietungen den Ball zu Johann Strauss’ „Warschauer-Polka“ zu eröffnen.
Anschließend wird traditionell mit dem von Johann Strauss jun. geprägten Kommando „Alles Walzer“ die Tanzfläche für alle freigegeben. Zu Mitternacht folgt die Mitternachtsquadrille. Um 2 Uhr und 4 Uhr folgen weitere Quadrillen. Traditionsgemäß spielt das Opernballorchester am Ende folgende drei Stücke: „Donauwalzer“, „Radetzky-Marsch“ und „Brüderlein fein“ aus „Der Bauer als Millionär“ von Ferdinand Raimund. Beendet wird der Ball um 5 Uhr früh.

Eröffnungstanz
Der Höhepunkt des Abends ist der traditionelle Eröffnungstanz, der oft von prominenten Persönlichkeiten ausgeführt wird. Dieser Tanz markiert den offiziellen Beginn des Balls.

Programm
Neben dem Tanzen gibt es verschiedene andere Veranstaltungen, wie Kon­zer­te, Opernaufführungen und Auftritte von Musikern und Künstlern.

Der Opernball - ein teures Vergnügen
Für eine Eintrittskarte (von insgesamt 5.150) bezahlt ein Gast im Jahr 2024 385 Euro. Besonders kostspielig sind auch in diesem Jahr wieder die Logen. Die einfachen Bühnenlogen für circa sechs Personen beginnen etwa preislich bei 14.000 Euro (allerdings nur die im sechsten Stock). Ranglogen kosten sogar 24.500 Euro, hier finden aber immerhin acht Personen Platz. Wem die Loge zu teuer ist und wer aber trotzdem zwischen den Tänzen gelegentlich auch einmal Platz nehmen möchte, kann auch einen Sitzplatz um 110 Euro buchen. Schließlich möchte man auch im Sitzen speisen.
Wer am Opernball ein Paar Würstel essen möchte, muss dafür 16 Euro bezahlen. 39 Euro kostet ein Glas Champagner. Ein kleines Bier kostet 14,50 Euro.
Und dennoch konsumierten (beispielsweise im Jahr 2017) die Gäste mehr als 800 Flaschen Sekt und Champagner, 900 Bouteillen Wein, 1.800 Paar Würs­tel, 800 Gulaschsuppen und etwa 1.000 Stück Petit Fours. 

Proteste
Der Opernball ist traditionell der Ball der Reichen und Schönen – oder zu­mindest der Reichen. Dass er dadurch auch zu einem Treffpunkt des Es­ta­blish­ments und von Menschen mit politischer und ökonomischer Macht wird, wurde als Provokation empfunden. Die ersten Demos waren vom Be­such des bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß aus­ge­löst worden. Weil dieser den Bau der atomaren Wieder­auf­be­rei­tungs­anlage Wackersdorf betrieb und wie jedes Jahr den Wiener Opernball besuchte, gab es 1987 zum ersten Mal Proteste rund um den Opernball. Und schon bei der ersten Auflage gab es massive Ausschrei­tungen.
Seit 1987 war der Opernball fast jährlich das Ziel politischer Demonstrationen zu verschiedenen Themen, die die Anwesenheit des weltweiten Publikums ausnützten. In manchen Jahren kam es auch zu gewaltsamen Aus­ei­nan­der­setzungen zwischen Demonstrierenden und Polizisten.

„Eat the Rich“: Demo-Zug gegen den Opernball
Die Proteste ließen Ende der 1990er und 2000er Jahre jeweils nach oder blie­ben ganz aus. Im Jahr 2000 ließ sich der Schauspieler Hubsi Kramar, ver­klei­det als Adolf Hitler, in einer Limousine zum Opernball fahren. Erst als er die Treppe zum Ballsaal erreichte, wurde er von Polizisten festgenommen.


Prominente
Seit 1992 ist der Baumeister und Reality-TV-Star Richard Lugner ein Ga­rant dafür, dass der Wie­ner Opern­ball in die Schlag­zeilen der Medien kommt. Seit jenem Jahr lädt er prominente Gäste zum Wiener Opernball ein. „MörtelLugner gehört auf dem Wiener Opernball gewissermaßen zum In­ven­tar. 2011 hieß es bei Lugner „Bunga-Bunga“, denn er lud Ruby Rubacuori ein, eine „Bekannte“ des früheren italienischen Minis­ter­prä­si­denten Silvio Berlus­coni, zum Ball. 2023 war die Schau­spielerin Jane Fonda Gast von Richard „Mörtel“ Lugner. Pamela Anderson, Paris Hilton und Kim Kardashian waren ebenfalls in der Ver­gan­gen­heit Gäste des Besitzers der Lugner City. 2024 wurde Lugner von Priscilla Presley, der ehemaligen Ehefrau von Elvis Presley, begleitet.
1996 vermutete Lugner, dass sein Stargast Grace Jones Sex in der Loge gehabt hatte.
1980 erschien Susanne Widl als erste Frau auf dem Wiener Opernball im Frack und verwirrte den Geist des deutschen Außenministers Genscher so sehr, dass er ihr auf die Damentoilette folgte.
Die Prominentendichte ist beim Opernballe jedes Jahr sehr dicht. Beim 66. Opern­ball (2024) nahmen beispielsweise in der Loge des deutschen Un­ter­nehmers Markus Deussl der Schauspieler Franco Nero, der Sän­ger Heino sowie der Come­dian Oliver Pocher  Platz. 

Wohltätigkeit
Der Opernball dient auch einem guten Zweck, da ein Teil der Einnahmen an verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen gespendet wird.