Wissenswertes

Die Katakombenheiligen



Beim ersten Mal, als ich in der römisch-katholischen Basilika Mondsee im österreichischen Salz­kammergut bewusst ein prunkvoll geschmück­tes menschliches Skelett sah, fühlte ich mich etwas unbehaglich. Ich konnte mir nicht erklären, welchen Sinn diese Zurschaustellung haben sollte. Dennoch muss ich zugeben, dass ich es nicht verstörend fand. Der gruselige Anblick des Totenschädels und der Gebeine weckte kaum Gefühle von Ehrfurcht und Demut in mir. Es gelang mir kaum, an die Vergänglichkeit des Lebens und meine eigene Endlichkeit zu denken. Im Gegenteil: Eine gewisse Faszination überkam mich. Dieser Eindruck war sicherlich anders als der, den die Skelette in den Katakomben von Palermo hinterlassen. Dort, unter dem Kapuzinerkloster in Palermo aufbewahrt, sind natürliche Mumien zu sehen, bei denen düstere Gedanken kaum zu vermeiden sind.

Seit vielen Jahrhunderten findet man in zahlreichen alpenländischen Kirchen diese „Heiligen Leiber“, die von einem äußerst kuriosen Kapitel der katho­li­schen Kirche erzählen. Es handelt sich dabei um die Ganzkörper-Reli­quien früh­christ­licher Märtyrer, die aus den Katakomben Roms in bayerische , Schwei­zer und Österreichische Kirchen und Klöster gebracht wurden.


Die Faszination für diese menschlichen Überreste mag darin begründet liegen, dass es sich um ganz beson­dere Reliquien handelt – die sogenannten Katakom­ben­hei­ligen oder Heiligen Leiber. Diese bestehen aus den sterblichen Überresten vermeintlicher christlicher Märtyrer und werden in einem würdevollen Rahmen ausgestellt, der mit religiösen Symbolen, Kerzen oder anderen Elementen geschmückt ist. In gläsernen Schau­sarkophagen werden die Katakombenheiligen der Öffentlichkeit präsentiert, reich verziert mit Gold, Edelsteinen und Stickereien. Die Gebeine sind in kostbare Stoffe wie Samt und Seide eingewickelt und mit Goldfäden, Perlen und Spitzen geschmückt. In manchen Fällen wurden die Augen kunstvoll aus Glassteinen oder Edelsteinen nachgebildet.


Die Katakombenheiligen waren unbekannte Personen aus der Zeit des frühen Christentums, deren Gebeine zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in großer Zahl aus den Katakomben in Rom entfernt wurden. Die katholische Kirche erklärte alle aus den Katakomben geborgenen Skelette pauschal zu Märtyrern. Diese sogenannten Katakombenheilige wurden besonders in die deutsch­sprachigen Gebiete nördlich der Alpen als Reliquien verkauft.

Reliquie Konrad II in der Basilika Mondsee
Um die Bedeutung dieses Phänomens zu begreifen, ist es unerlässlich, die tiefe Verehrung zu berücksichtigen, die Reliquien innerhalb der katholischen Kirche genie­ßen. Seien es physische Überreste oder Gegen­stän­de von Heiligen, Reliquien werden als heilig angesehen. Die katholische Lehre vertraut darauf, dass Heilige eine besondere Nähe zu Gott haben und als Vermittler und Vorbilder im Glauben dienen. Die Verehrung von Reliquien ermutigt Gläubige dazu, eine Beziehung zu den Heiligen aufzubauen, ihre Fürsprache anzurufen und sie als geistliche Wegweiser anzuerkennen.
Reliquie Stift Engelszell
Die katholische Lehre betont die Heiligkeit des Körpers und die Hoffnung auf Auferstehung. Reliquien, Überreste Verstorbener, symbolisieren diese Hoffnung. Ab dem 7. Jahrhundert wurden Reliquien von Märtyrern in Rom verehrt und später in andere Kirchen überführt. Im 8. Jahrhundert wurden Reliquien vermehrt in die Alpenregion gebracht, was zu einer Wallfahrtskultur führte. Reliquien galten als Quelle von Wundern und Hilfe in Notlagen. Die Verehrung von Katakombenheiligen entstand während des Konzils von Trient (1545–1563), das als Reaktion auf die Herausforderungen der Reformation einberufen wurde.

Katakombenheilige in Österreich

Die katholische Lehre betont die Heiligkeit des Körpers und die Hoffnung auf Auferstehung. Reliquien, Überreste Verstorbener, symbolisieren diese Hoffnung. Ab dem 7. Jahrhundert wurden Reliquien von Märtyrern in Rom verehrt und später in andere Kirchen überführt. Im 8. Jahrhundert wurden Reliquien vermehrt in die Alpenregion gebracht, was zu einer Wallfahrtskultur führte. Reliquien galten als Quelle von Wundern und Hilfe in Notlagen. Die Verehrung von Katakombenheiligen entstand während des Konzils von Trient (1545–1563), das als Reaktion auf die Herausforderungen der Reformation einberufen wurde.
  • Pfarrkirche Bruck an der Leitha: laut Aufschrift „St. Theodorus“
  • Drosendorf: hl. Valentina
  • Stift Dürnstein: zwei Katakombenheilige, die von Propst Hieronymus Übelbacher in Rom für die Stiftskirche bestellt wurden
  • Kapelle in Schloss Eckartsau
  • Pfarrkirche Ernstbrunn: hl. Felician
  • Jesuitenkirche Hall in Tirol: hl. Tiburtius und hl. Eusebius; die beiden Heiligen wurden 1724 von Gregor Deschler an den Klarissinnenkonvent in Hall in Tirol gestiftet; 1763 wurden die Knochen neu gefasst, 1831 diese Fassung überarbeitet; nach der Auflösung des Klarissinnenkonvents 1783 unter Joseph II. gelangten die Heiligen in das örtliche Franziskanerkloster und in weiterer Folge an ihren heutigen Standort; Das Besondere an diesen beiden Katakombenheiligen ist, dass sie auf einem Thron sitzend arrangiert sind.
  • Stift Herzogenburg: Urbanus (in der Stiftskirche; angeblich nicht identisch mit dem hl. Urbanus)
  • In der Kirche von Stift Melk befinden sich zwei Katakombenheilige, deren Gebeine dem Stift im 18. Jahrhundert von Maria Theresia bzw. vom Nuntius Kardinal Crivelli geschenkt wurden.
  • Karmelitenkirche (Linz): hl. Theodor („Corpus St. Theodori Mart.“, linker Seitenaltar; Kleriker, unter Kaiser Valerian enthauptet, die Reliquien kamen 1736 aus Rom) und hl. Felix („Corpus St. Felicis Mart.“, rechter Seitenaltar); enthält auch eine Reliquie seiner Frau, der hl. Blanda; das Ehepaar hatte sich für die Heilung der gichtkranken Blanda zum Christentum bekehrt und wurde daraufhin 222 unter Kaiser Severus Alexander enthauptet; beider Gedenktag ist der 10. Mai.
  • Pfarrkirche Preding, hl. Faustina
  • Stift Reichersberg: Reliquien des hl. Klaudius (1668 aus der Calixtus-Katakombe erhoben)
  • Dominikanerkirche Retz: hl. Placidus
  • Stift Seitenstetten: hl. Benedicta
  • Basilika Sonntagberg: hl. Felicitas und hl. Prospera; die beiden Märtyrerinnen kamen im 18. Jahrhundert als Geschenk von Erzherzogin Maria Theresia nach Seitenstetten und wurden 1799 von dort in die Basilika Sonntagberg überstellt, wo sie bis 1829 in der Schatzkammer standen; seither stehen auf zwei Seitenaltären.
  • Ruprechtskirche (Wien): hl. Vitalis (unter der Orgelempore, ein Geschenk von Maria Theresia)
  • Franziskanerkirche (Wien): hl. Hilaria und „S. Felix Puer“