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Die spektakulärsten Kriminalfälle in Österreich



Eva Faschauerin
Eva Kary, geb. Faschaunerin, war die Tochter eines Malteiner Berg­bau­ern. Als sie am 7. Feber 1770 gegen ihren Willen mit dem ungeliebten Bau­ern Jakob Kary verheiratet wurde, waren beide schon etwa 35 Jahre alt. Lang hielt das Eheglück auch nicht. Schon am 11. März 1770 starb Jakob unter sehr merkwürdigen Umständen. Um den Mund herum zeigte sich eine bläuliche Färbung. Schnell geriet seine Frau unter Verdacht. Am 2. April wurde sie nach mehreren Zeugeneinvernahmen ver­haf­tet. Ihr wur­de unter­stellt, ihren Mann mittels Arsen vergiftet zu haben. Zeu­gen­aus­sa­gen be­las­teten sie schwer, selbst Hexerei wurde ihr vorge­wor­fen. In dem drei Jahre dauernden Prozess gestand sie unter Folter den Mord. Das Stadtmuseum Gmünd (Kärn­ten) bietet mit der Ausstellung Eva Faschaunerin die Doku­men­ta­tion dieser wahren Begebenheit [].
1773 wurde sie durch das Richtschwert getötet. Ihr abgeschlagener Kopf wur­de auf dem Galgenbichl mahnend zur Schau gestellt.
Eva Faschaunerin war das letzte Opfer der sogenannten "peinlichen Be­fra­gung" (Folter) und die letzte Person, die in Gmünd hingerichtet worden ist. Kurze Zeit darauf wurde in Österreich unter der von der Aufklärung ge­präg­ten Regentschaft Maria Theresias und ihres Sohnes Josephs II. die Folter end­gül­tig abgeschafft.

Theresia Kandl
Im Dezember 1808 fand man in der Wiener Piaristengasse die entkleidete Lei­che des Greißlers Matthias Kandl. Zuerst gingen die Ermittler von ei­nem Raubmord aus. Doch ein Zeuge lenkte die Spur auf die schöne The­re­sia Kandl, die junge Ehefrau des Ermordeten. Aufgrund der Beweislast ge­stand sie, dass sie ihren Mann, der sie immer wieder ge­schlagen hatte, mit einer Hacke im Bett erschlagen und seine Leiche dann in ei­nem hölzernen Trage­korb von Matzleinsdorf bis in die Piaristengasse geschleppt hatte. Sie woll­te für ihren Liebhaber, den Sohn eines Fleischhauers aus Mauer, frei sein.
Seitens der Polizei war man zunächst nicht davon überzeugt, dass die Frau zu diesem körperlichen Kraftakt überhaupt in der Lage gewesen sei. Man füllte ihr deshalb einen Tragekorb mit Ziegelsteinen und brachte sie durch eine Fang­fra­ge dazu, den Korb zu schultern. Dadurch überführte sich die Mör­de­rin selbst.
Am 13. März 1809 wurde Theresia Kandl zum Tode verurteilt und drei Tage später am "Neuen Wiener Galgen“ als erste Frau in Wien durch Hängen hin­gerichtet. Sie war aber auch die letzte Frau, die hier hingerichtet wurde. Zur Erinnerung an Kandl ist eine Kapelle erbaut worden, die heute in der Brei­ten­furter Straße in Wien-Liesing steht.

Hugo Schenk
Hugo Schenk (1849-1884) war ein Hochstapler und Serienmörder, der mit Hilfe eines Komplizen vier Dienstmädchen umbrachte. Man nannte ihn den poetischen Dienstmädchenmörder.
Hugo Schenk stammte als Sohn eines Richters in Teschen (Österreichisch Schlesien) aus besserem Hause. 1869 und 1870 gab er sich als den aus War­schau geflüchteten Fürsten Boleslav von Wilopolsky aus und versuchte, als Hei­rats­schwind­ler an die Mitgift verschiedener Frauen zu gelangen. Am 5. De­zem­ber 1870 wurde er wegen einer Anzahl schwerer Betrügereien zu fünf Jahren schweren Kerker in der Strafanstalt Mürau verurteilt. Zwei Jahre später wurde er aber begnadigt.
Mit 32 Jahren wurde er ein weiteres Mal wegen Heiratsschwindel zu zwei Jah­re Haft verurteilt. Dort lernte er den wegen Diebstahls eingesperrten Karl Schlossarek kennen. Nach der Entlassung im Jänner 1883 traf Hugo Schenk die 34-jährige Josefine Timal, die als Dienstmädchen in Wien arbeitete, wobei er sich als Bahningenieur ausgab und ihr die Ehe versprach. Josefine vertraute ihm, kündigte ihren Dienst, packte all ihre Wert­ge­gen­stän­de zusammen und fuhr mit ihm auf die angebliche Hoch­zeits­rei­se nach Kra­kau. Am Weißkirchener Abgrund (Mähren) ver­ge­wal­tig­te er sie, kne­bel­te und fesselte sie mithilfe seines Komplizen Karl Schlossarek, raubte sie aus und warf sie dann in den Abgrund.

Weil er befürchtete, dass Josefines Tante Katharina Timal, die als Dienst­mäd­chen in Budweis arbeitete, könnte das Verschwinden ihrer Nichte bemerken, lockte er sie auf sein Landgut, überwältigte und tötete sie. Nur sechs Wochen später ermordete Hugo Schenk (wieder mit seinem Komplizen) das Dienst­mäd­chen Theresia Ketterl. Am 28. Dezember 1883 folgte das vierte Opfer, das Dienstmädchen Rosa Ferenszi.

Im Januar 1884 wurden Hugo Schenk und Karl Schlossarek verhaftet. Beide wurden zum Tode durch den Strang verurteilt und am 22. April 1884 hin­gerichtet.


Kronprinz Rudolf
Am 30. Januar 1889 starb auf geheimnisvolle Weise Kronprinz Rudolf, der ein­zige Sohn des österreich-ungarischen Kaisers Franz Joseph I. und seiner Gattin, Kaiserin Elisabeth ("Sissi"), zusammen mit seiner Geliebten Mary Vet­sera. Um den Tod der beiden ranken sich bis heute viele Spekulationen [].

Der Mord im Lainzer Tiergarten
Einer der seltsamsten und verworrensten Kriminalfälle war der Mord im Lainzer Tiergarten aus dem Jahr 1928. Am 17. Juli 1928 hörte ein im Lain­zer Tiergarten beschäftigter Gärtner eine Reihe von Schüssen. Etwas später trafen zwei Spaziergänger auf ein Feuer. Als sie das Feuer löschen wollten, entdeckten sie mit Entsetzen die Leiche einer Frau. Sie sahen auch in einiger Entfernung einen dunkelhaarigen Mann, der aber gleich verschwand.
Über ein Jahr lang blieb die Identität der Toten ungeklärt. Erst im Sommer 1929 wussten die Ermittler: Bei der verkohlten Leiche, die auch Schuss­ver­letzungen aufwies, handelte es sich um die wohlhabende Katharina Fell­ner. Gelöst werden konnte das Problem durch eine Moulage (Abformungen oder Nachbildungen von Körperteilen). Ein Zahnarzt hatte die Nachbildung der Zahnbrücke im Wiener Kriminalmuseum entdeckt und diese Katharina Fellner zuordnen können.
Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen, die aber wegen Mangels an Beweisen wieder aufgehoben werden mussten. Erst nach einem Jahr kam die Polizei durch Zufall an den 39-jährigen Kaufmann Gustav Bauer, der Ka­tha­ri­na Fellner dabei helfen sollte, ihre Wertsachen zu Geld zu machen.
Aufgrund zahlreicher Indizien wurde er schließlich angeklagt, Katharina Fell­ner er­schos­sen, beraubt und ihre Leiche angezündet zu haben. Letztendlich wurde er aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Alfred Engleder
Der Frauenmörder Alfred Engleder ging als "Bestie von Steyr" in die ös­ter­rei­chische Kriminalgeschichte ein.
Die Gewaltserie begann 1951. Bei seinen Taten ging der Hilfsarbeiter Eng­le­der, der Frauen hasste, immer nach demselben Muster vor. Auf einem Rad fahrend näherte er sich Frauen und schlug sie mit einem schweren Hammer nieder, um sie anschließend zu vergewaltigen. Zwischen 1951 und 1957 über­fiel er auf diese Weise im Großraum Steyr sechs Frauen. Zwei seiner Opfer überleben die Übergriffe nicht. Beim Überfall auf sein sechstes Opfer am 15. Juni 1957 wurde er von einem Motorradfahrer überrascht und floh. Er musste sein Fahrrad und seine Uhr am Tatort zurücklassen, was ihn schließ­lich überführte. Im Rahmen einer Großfahndung wurde er noch im selben Monat verhaftet.
1958 wurde Engleder in Steyr wegen Mordes in zwe,i sowie versuchten Mor­des in vier Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt, jedoch bereits nach 26 Jah­ren auf Bewährung entlassen. Am 8. April 1993 wurde er in Wien von seiner neu­en Freundin mit einem Messer attackiert und erlag drei Wochen später Tage später im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Die zunächst erfolglose Suchaktion nach dem Täter diente Jahre später dem Ka­ba­rettisten Helmut Qualtinger [] als Vorlage für das Kriminalstück Un­ter­nehmen Korn­mandl. Die nach dem ersten Mord falsche Verdächtigung und In­haf­tierung des Arztes Günther Hof­leh­ner war Thema des 1958 gedrehten Spiel­films Gestehen Sie, Dr. Corda!.

Der Wiener Opernmord
Am 12. März 1963 ereignete sich in der Wiener Staatsoper eines der auf­se­hen­erregendsten Verbrechen der österreichischen Kriminalgeschichte. Kurz vor Beginn der Vorstellung von Wagners "Walküre" wurde im Duschraum der Damengarderobe die elfjährige Ballettschülerin Dagmar Fuhrich tot auf­ge­funden. Der Täter, der das Mädchen mit 34 Messerstichen ermordet hatte, war entkommen. Im Zuge der Ermittlungen wurden rund 14.000 Personen über­prüft, zunächst ohne eine konkrete Spur zu finden.
Als am 6. August die Pensionistin Emma Laasch ihr Haus verlassen wollte, stand ihr plötzlich im Flur ein Mann gegenüber, der ihr mit einer Gabel in den Hals stach und versuchte, ihr die Handtasche zu entreißen. Die Frau schrie und lief auf die Straße hinaus, wo sie auf den Polizeiwachmann Johann Ko­wa­rik traf, dem sie den Überfall schilderte und angab, wohin der Täter geflüchtet war.
So konnte man schließlich den Täter fassen, den 33-jährigen Josef Wein­wurm. Bis dahin hatte er drei weitere jun­ge Frauen mit dem Messer über­fallen. Am 10. April 1964 wurde Wein­wurm wegen Mordes und dreifachen Mordversuchs zu lebenslänglichem schweren Kerker verur­teilt. Weinwurm starb am 22. August 2004 in der Justizanstalt Krems-Stein.

Jack Unterweger
Johann (Jack) Unterweger (1950-1994), wurde als unehelicher Sohn eines US-Soldaten und einer Wiener Prostituierten geboren. Das ungeliebte Kind wurde immer wieder abgeschoben, zum trunksüchtigen Großvater, in Heime, fremde Familien und Anstalten.
Am 12. Dezember 1974 begegnete er mit einer Bekannten die 18-jährige Margret Schäfer. Beide in Geldnot fesselten sie das Opfer, stahlen ihr Geld und flüchteten mit dem immer noch gefesselten Opfer. Anschließend tötete Unterweger die Frau auf brutale Weise. Für den Mord an Margret Schäfer wurde Unterweger im Oktober 1976 zu einer lebenslangen Frei­heits­stra­fe verurteilt und im niederösterreichischen Stein inhaftiert.
Während seiner Haftzeit begann Unterweger zu schreiben und verfasste auch einige Kurzgeschichten, was ihn zu einem gefeierten Literaten in der öster­rei­chi­schen Kulturszene machte. Er war deshalb bald als "Häfenliterat“, au­ßer­halb Österreichs als "Knastpoet“ und in den USA als "Jack the Writer" ge­fei­ert. Sei­ne Autobiografie "Fegefeuer" wurde 1988 unter der Regie von Wil­helm Hengstler verfilmt, wobei Unterweger am Drehbuch mitwirkte. Im Jahr 1989 erhielt er den Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene [].
Bald wurde Unterweger als Paradebeispiel des resozialisierten Straftäters ge­sehen. Als eloquentes Beispiel für die Möglichkeit des Menschen, sich grund­sätz­lich zu ändern. Auf einer Petition zu seiner vorzeitigen Entlassung finden sich Namen wie Elfriede Jelinek, Barbara Frischmuth, Milo Dor, Erika Pluhar und Günther Nenning. Und tatsächlich hatte Österreichs "Society" damit Er­folg. Am 23. Mai 1990 wurde Unterweger wieder auf freien Fuß gesetzt. Er wurde fortan zu Partys und Talkshows eingeladen und zum Frauenhelden und zur wich­tigen Figur des öffentlichen Lebens hochstilisiert. In dieser Zeit ver­fie­len viele dem Charme des Häfenliteraten. Der "böse Bube" hatte als ver­urteil­ter Frau­en­mörder eine große Anziehungskraft auf das weibliche Ge­schlecht, sagten ehemalige Begleiterinnen.
Der "charmante" Serienkiller
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Sechs Monate nach seiner Entlassung begann eine Serie von Morden an Pros­tituierten (in Prag, Graz, Lustenau, Wien und Los Angeles), die alle auf die gleiche Weise ermordet wurden. Die Prostituierten mit ihren BHs zu stran­gu­lieren, war eine Eigenheit Jack Unterwegers. Er wurde verdächtigt, floh ge­mein­sam mit seiner damals minderjährigen Freundin und wurde am 27. Feber 1992 in Miami vom FBI festgenommen.
Groß war der Schock für alle, die an Resozialisierung glauben. Unterweger wurde am 29. Juni 1994 von einem Grazer Geschworenengericht wegen neunfachen Mordes neuerlich zu lebenslanger Haft verurteilt, dieses Mal ohne Möglichkeit einer Begnadigung. Aufgrund seines in der Nacht nach dem Urteil erfolgten Selbstmordes erlangte dieses Urteil jedoch keine Rechtskraft mehr.
So schnell scheint die Faszination des "Häfenpoets" nicht abzuebben. Am Film­festival in Locarno 2015 erzählte Elisabeth Scharang in ihrem Film "Jack" die Geschichte des Mörders Jack Unterweger aus einer ganz per­sön­li­chen Perspektive. Die Regisseurin lässt offen, ob Unterweger für die elf Mor­de Anfang der 1990er-Jahre schuldig gewesen sei. Schließlich gelte in un­se­rem Rechtssystem: "Im Zweifel für den Angeklagten."

Der Fall Lucona
Die Geschichte des Gesellschaftslieblings Udo Proksch, der 1992, 15 Jah­re nach der Versenkung der Lucona im Indischen Ozean, wegen sechs­fa­chen Mor­des, sechsfachen Mordversuchs, Gefährdung durch Sprengmittel und ver­such­ten schweren Betrugs zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde [].

Elfriede Blauensteiner
Elfriede Blauensteiner (1931 - 2003) war eine Serienmörderin, die als "Schwarze Witwe" in die österreichische Kriminalgeschichte eingegangen ist.
Blauensteiner war spielsüchtig und suchte ihre wohlhabenden und pfle­ge­be­dürftigen Opfer mittels Kontaktanzeigen. Bevor sie ihre Opfer tötete, hatten diese ihrer "Pflegerin" Eigentum und Liegenschaften vererbt. Die dazu­ge­hö­ri­gen Testamente ließ sie von ihrem Rechtsanwalt fälschen.
Die Gottesanbeterin - Trailer
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Elfriede Blauensteiner wurde zunächst 1997 in Krems in einem Mordfall schul­dig gesprochen. Das Urteil lautete auf lebenslange Freiheitsstrafe. In Wien wurde sie im Jahr 2001 in zwei weiteren Fällen ebenfalls wegen Mordes ver­ur­teilt. Ihre Gerichtsauftritte, bei denen sie teilweise jegliche Schuld von sich wies, waren aufsehenerregend. Bekannt wurde ein Auftritt, bei dem sie einen goldenen Kruzifix in die Höhe streckte und Pontius Pilatus aus dem Neuen Testament zitierte: "Ich wasche meine Hände in Unschuld.“
Als rechtskräftig verurteilte Dreifachmörderin wurde die Frau 1997 in die Justizanstalt Schwarzau verlegt, wo es mit ihrer Gesundheit rasch bergab ging. Rund einen Monat vor ihrem Tod sagte sie in einem Interview: "Ich weiß bestimmt, wenn ich abtrete, dann werde ich ein Engel.“ Sie starb 2003 im Alter von 72 Jahren an den Folgen eines Gehirntumors.
Nach der Geschichte von Elfriede Blauensteiner wurde 2001 der Film "Die Gottesanbeterin“ produziert, in dem Christiane Hörbiger die Hauptrolle spielt.
 
 
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