Geschichte


Austria Romana

Mehr als 500 Jahre war das heutige Österreich ein Teil des Römischen Reichs. Als Austria Ro­mana (Römisches Österreich) wird das his­to­ri­sche und kulturelle Erbe des heutigen Österreich aus der römischen Epoche bezeichnet.
Das gesamte Territorium des heutigen Österreich stand (direkt oder indirekt) unter dem Einfluss Roms. Während die Gebiete südlich der Donau (die Pro­vinzen Rätien, Noricum  und Pannonien) ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. in­te­graler Be­stand­teil des Imperium Romanum  waren, la­gen das Mühl-, das Wald- und das Weinviertel nördlich der Donau im sogenannten Barbaricum, stan­den also nicht direkt unter römischer Ver­waltung.
Zwar überschritten römische Truppen immer wieder den Donaulimes, um Einfälle oder Be­dro­hungen zu bekämpfen, meistens gab es aber zwischen den germanischen Stämmen und dem Römischen Reich friedliche Beziehungen.
Vorrömische Zeit
Bereits seit ca. 400 v. Chr. siedelten im Bereich der Ostalpenländer die Kelten. Im frühen 2. Jahrhundert v. Chr., lange bevor sich die Römer im Alpenraum niederließen, befand sich auf dem Gebiet vom östlichen Tirol über Salzburg und Kärnten bis zur Steiermark und Niederösterreich das Regnum Noricum (Königreich der Noriker), benannt nach dem Keltenstamm der Noriker, die eine führende Rolle unter den Keltenstämmen eingenommen hatten. Dieses Königreich mit Zentrum in Kärnten umfasste einen großen Teil des heutigen Österreich und war das erste Staatsgebiet auf diesem Gebiet.
181 v. Chr. errichteten die Römer die Stadt Aqui­leia  (in der Nähe vom heutigen Grado  in Italien) als militärisches Bollwerk gegen die keltischen Stämme, als Handelsmetropole und vor allem auch als Ausgangspunkt der Bern­stein­stra­ße. Rom unterhielt rege Kontakte zum Norischen Königreich. Dabei ging es um das Gold aus den Tauern, um die für schwere Arbeiten einsetzbaren Norikerpferde sowie um das Salz aus den Alpen und um das hochwertige norische Eisen.
Alpenfeldzüge
Kaiser Augustus (63 v. Chr. - 14 n. Chr.) hatte entschieden, das Imperium nach Norden über die Alpen und das Voralpenland zu erweitern. Im Jahr 15 v. Chr. unterwarfen die Römer die rätischen Alpenstämme westlich von Noricum und richteten dort die Provinz Raetia  ein (bestehend aus der Ostschweiz, Tirol und dem vorarlbergischen Rhein­tal). Zur gleichen Zeit erfolgte der wei­test­ge­hend friedliche Einmarsch der Römer ins Königreich Noricum/em>, denn schon lange pflegten die Noriker enge wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Rom. Zunächst behielt Noricum  eine eingeschränkte Autonomie als tri­but­pflich­ti­ges Fürstentum, erst unter Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) wurde es endgültig eine römische Provinz.


In der Folgezeit eroberten die Römer auch die weiteren Gebiete des heutigen Österreichs. Letztendlich war das Land auf drei römische Provinzen verteilt. Die Provinz Raetia, dessen Hauptstadt Augusta Vindelicorum  (Augsburg) war, die Provinz Noricum mit Osttirol, Kärnten, Salzburg, der Steiermark, Oberösterreich und dem westlichen Niederösterreich. Die Hauptstadt war Virunum  (Zollfeld, nördlich von Klagenfurt). Das Wiener Becken und das Burgenland gehörten zur Provinz Pannonia mit Savaria und später Carnuntum als Verwaltungssitz.
Grabrelief aus Virunum, heute an der Südmauer der Kirche von Maria Saal
Foto von Johann Jaritz / CC BY-SA 4.0
Die östlich von Vindobona  (Wien) gelegene Stadt Carnuntum  war die größte römische Siedlung in Österreich, weitere wichtige Orte waren das ge­nannte Virunum , Teurnia  (St. Peter im Holz, nahe Spittal an der Drau), Iuvaum  (Salzburg) und Aguntum  (Dölsach bei Lienz).
Carnuntum  gewann vor allem in der späten Kai­serzeit eine überragende Bedeutung als Um­schlag­platz für den Nord-Süd-Handel. Heute sind kleine Teile des antiken Carnuntum aus­ge­gra­ben und als Archäologiepark Car­nun­tum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Im September 2011 gab es bei archäologischen Untersuchungen einen Sen­sa­tions­fund. Es wurde eine Gla­dia­to­ren­schu­le entdeckt. Diese Schu­le konnte west­lich des Am­phi­the­a­ters in Petronell  lokalisiert werden.
Von Marc Aurel bis Diokletian
Ab 167 n. Chr. gab es Einfälle der germanischen Markomannen in Noricum und Westpannonien ein. Sie stießen bis Aquileia vor; der römische Kaiser Marus Aurelius hielt sich längere Zeit in Vindobona  auf, um die militärischen Aktionen gegen die Germanen zu leiten. Er starb aber 180 n. Chr. (angeblich) in Vindobona.
183 n. Chr. Septimius Severus  (146-211) wurde von seinen Truppen in Carnuntum  zum Kaiser proklamiert. Er ließ die neuen Kastelle mit Stein­bauten befestigen, die Zivilstädte von Wels, Wien und Carnuntum mit Stadtmauern und Gräben schützen. Sein Sohn und Nachfolger Caracalla  (188-217) sorgte für den Ausbau des Stra­ßen­net­zes im norischen und panonnischen Grenz­gebiet.
Im jahr 308 n. Chr. findet in Carnuntum ein „Vier-Kaiser-Treffen“ statt, um die Nachfolge des aus gesundheitlichen Gründen abgedankten Dio­kle­tian  zu klären; in Rom regieren zu dieser Zeit zwei Hauptkaiser („Augusti“) und ihre de­sig­nier­ten Nachfolger („Caesares“) – daran erin­nert das sog. „Heidentor“ bei Carnuntum.
Mitte des 4. Jahrhunderts zerstörte in Erdbeben große Teile des Legionslagers, des Tempelbezirks und der Lagervorstadt. Am Limes entstanden zahlreiche Wachttürme. In den ersten Jahren des 5. Jahrhunderts war der österreichische Limes zahlreichen kriegerischen Einfällen ausgesetzt (401 durch Vandalen, 404 durch Ostgoten, 407 durch Westgoten).


Im Jahr 433 wurde die Provinz Pannonien an die Hunnen abgetreten und ging somit dem west­rö­mi­schen Einfluss verloren. Nach dem Tod des Hunnenkönigs Attila  (453) und dem Zu­sam­men­bruch seines Reiches ab etwa 460 kam es im Osten zu massiven Völkerbewegungen. In der Folge siedelten in Pannonien Teile der Goten, in der Kremser Gegend entstand das Königreich der Rugier.
Nach dem Tod des Hunnenkönigs zog der Heilige Severinus in das von den Rugiern bedrängte Ge­biet von Noricum, um der dort noch an­säs­si­gen christlich-römischen Bevölkerung gegen die aus dem Osten und Norden an­drän­gen­den Ger­ma­nen­völ­ker zu helfen. Er küm­mer­te sich nicht nur um pastorale Belange, sondern half tatkräftig bei der Bewältigung des schwierigen Alltags und übernahm diplomatische Ver­hand­lun­gen mit den Rugiern.
Dieser ostgermanische Stamm errichtete ein Reich im heutigen Niederösterreich und zog schließlich mit den Ostgoten nach Italien. Nach der Vernichtung des rugisches Reiches durch Odoaker  (433-493), den germanischstämmigen König von Italien, waren die Römer der ger­ma­nischen Völkerschaften schutzlos aus­ge­lie­fert. Odoaker erkannte, dass die Gebiete an der Donau nicht zu halten waren und orga­ni­sier­te den Abzug der Römer nach Italien. Damit endet die römische Geschichte Österreichs.